Rundschreiben 3/2017

Liebe Cluny-Mitglieder,

zu Beginn des Hamburger Sommers – man weiß leider nicht, was daraus wird – übermittle ich ihnen hier einige Nachrichten, die durchweg erfreulich, verlässlich und wetterbeständig ausfallen. Sie haben es erraten – es geht um den VDFG/FAFA-Jahreskongress 2017, zu dem Sie sich ab sofort anmelden können, sowohl im Internet wie auch traditionell in Papierform.

Die erste Anmelde-Variante erschließt sich Ihnen sofort, wenn Sie uns im Netz auf www.cluny.de besuchen. Für die Papierform benutzen Sie bitte dieses Anmeldeformular. Das Kongressprogramm finden Sie HIER. Sollten Sie Fragen haben, können Sie gerne in der Geschäftsstelle (Mo und Do von 16.00 bis 18.00 Uhr) oder ggf. auch bei mir privat anrufen: 040/881.29.556.

Gerne nehmen wir auch wieder Ihre Unterstützung in Anspruch; sollten Ihnen nämlich Hamburger Firmen bekannt sein, die uns für die Kongresspausen gratis (oder fast gratis) mit Kaffee und Gebäck (viennoiseries!) versorgen können, wäre die Kongress-AG für Ihren Hinweis sehr dankbar. Angebote zu personeller Unterstützung sind schon zahlreich bei uns eingegangen, Sie hören in dieser Sache nach der Sommerpause von uns.

Erfreulich auch die folgende Nachricht! Unser Cluny-Mitglied Susanne Wittek ist am 4. Juli in Paris zusammen mit Christian Frey für ihren ARTE / NDR – Dokumentarfilm „Stille Retter – Sauvés par des justes“ in der Kategorie Video mit dem Deutsch-Französischen Journalistenpreis 2017 ausgezeichnet worden. Einige von Ihnen waren bei der Erstaufführung im Körber-Forum dabei. „Die Stärke dieses Dokumentarfilms“, so die Jury, „liegt in der Qualität der Interviews, die bewegende Zeugnisse liefern“. Wir gratulieren sehr sehr herzlich!! Eine Bildergalerie mit Fotos von der Preisverleihung und der Gartenparty finden Sie unter dfjp.eu  

Hier nun aber – zurück in die norddeutsche Tiefebene – eine Übersicht der Veranstaltungen, die in der zweiten Jahreshälfte auf Sie warten.


Freitag, 28.07.2017, 12h00
Damenkreis: Causerie en français mit Alsterschippern zum Café ‚par ici’
Maria-Louisen-Straße 1, 22301 Hamburg. Treffpunkt 12h00 am Anleger 4.
Anmeldung bis 26.07.2017 bei Helena Paetow-Stiegen


Mittwoch, 4.10.2017, 19h00
„Literatur, Musik und Malerei: correspondances – reflets – échos“
Ein künstlerischer Abend, der alle Sinne anspricht – auf den Spuren französischer Literatur, Musik und Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Mehr dazu hier


Samstag, 4.11.2017, 19h00
« La chanson française – intime et universelle »
Mit Véronique Elling, Caroline Lacaze und Ralf Böckmann.
Durch den Abend führt Maryse Vincent in französischer und deutscher Sprache.
Ort: Aula der Volkshochschule West, Waitzstraße 31, 22607 Hamburg
Anmeldung in der Geschäftsstelle bitte bis Donnerstag, 2.11.2017


Donnerstag, 23.11. – Sonntag, 26.11. 2017
« Deutschland und Frankreich: fruchtbare Gegensätze. »
62. Jahreskongress der Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa (VDFG/FAFA) 70. Geburtstag der Deutsch-Französischen Gesellschaft Cluny e.V. Hamburg. Mehr dazu auf unserer Kongress-Seite


Chères clunisiennes, chers clunisiens, machen Sie reichlichen Gebrauch von all diesen Möglichkeiten, der deutsch-französischen Verständigung wieder ein paar Schritte näher zu kommen – so verbinden Sie auf dem kürzesten Wege das Angenehme mit dem Nützlichen.

Ich wünsche Ihnen eine entspannte und kurzweilige Sommerzeit!

Bien à vous,

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Die Autorin und Journalistin DOAN BUI bei Cluny

Im Rahmen der „Tage des Exils“ hat Doan Bui Le silence de mon père, L’iconoclaste, Paris, 2016, (Das Schweigen meines Vaters) am 28. Juni in der wunderbaren Bibliothek des Warburg-Hauses vorgestellt. Philippe Wellnitz, eminenter Germanist, der ihr Werk für den Sujet-Verlag (Bremen) übersetzt, übernahm die Wiedergabe auf Deutsch.

In Le silence de mon père schildert Doan Bui ihre Recherchen um das Leben des Vaters, sie erforscht die Gründe für seine Schweigsamkeit. Die Leser begleiten die Autorin Schritt für Schritt in ihren Entdeckungen.

Die Veranstaltung wurde von der Moderatorin Irène Drexel-Andrieu mit einer tabellarischen Aufstellung der vietnamesischen Geschichte parallel zum Leben des Vaters eingeführt, um die Situation der Hauptperson besser nachvollziehen zu können.

Doan Bui schilderte dann, wie sie in ihrem Streben eine perfekte Französin zu sein, sich nie für die Exilgeschichte ihres schweigsamen Vaters interessiert hatte. Es änderte sich als sie schwanger wurde und anfing darüber nachzudenken, was sie ihrem Kind weitergeben will oder anders ausgedrückt, welche ihre Wurzel sind. Aber inzwischen hatte ihr Vater einen Schlaganfall erlitten und konnte sich nicht mehr verständlich machen. Die Zuhörer lauschten gebannt, Doan Buis Berichte über die gebrochene Persönlichkeit der Exilväter, die dynamischen Exilmütter und die „Bananenkinder“, die außen gelb, aber innen französisch (weiß) sind. Sie begeisterte das Publikum durch ihre Lebendigkeit, ihre natürliche Art auf jede Frage einzugehen und die zahlreichen eingeflochtenen Informationen zu der Kultur und der Sprache Vietnams.

Auch Philippe Wellnitz beeindruckte die Zuhörer durch seine präzise und muntere Übersetzung.

Nach fast zwei Stunden musste das Gespräch mit dem Publikum leider beendet werden, aber eine ständige Traube von Menschen um Doan Bui während des traditionellen «Verre de l’amitié» zeigte, wie sehr die angeschnittenen Themen des Exils, der Identität und der Integration alle berührten.

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Doan Bui : L’exil, c’est comme être dans un embouteillage

Lesung und Gespräch (deutsch-französisch)
Mittwoch, 28. Juni, 19 Uhr
Warburg-Haus, Heilwigstraße 116, 20249 Hamburg

„Das Exil ist wie im Stau zu sein. Man ist losgegangen, aber nicht angekommen.“

Als ihr aus Vietnam stammender Vater krankheitsbedingt nicht mehr sprechen kann, stellt die 1976 geborene Doan Bui fest, dass sie nichts über seine Exilgeschichte weiß. Über ihre Spurensuche, die sie in ihrem 2016 erschienenen Buch Le silence de mon père geschildert hat, spricht sie mit der Romanistin Irène Drexel-Andrieu.

Anschließend lädt Cluny zum „Verre de l’amitié“ ein.
Eintritt frei, Spende erbeten.
Anmeldung bei der Cluny-Geschäftsstelle bis 22. Juni unter info@cluny.de oder (montags und donnerstags 16 bis 18 Uhr) 040 / 89 70 92 33

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Cluny Lectures: Compte rendu de la 5e rencontre du 13 juin 2017

Lors de la cinquième rencontre de Cluny Lectures chez Irène Drexel-Andrieu, nous avons examiné deux livres, un roman et un récit biographique, qui nous ont conduits dans deux mondes fort différents. D’abord en Islande avec Un Marin Chilien (cf. compte rendu de Fried Normann ci-dessous) et ensuite dans le monde de la géométrie algébrique avec Algèbre (cf. compte rendu de Gisela Maibaum-Busecke). Fried Normann était non seulement en mesure de nous présenter le roman d’Agnès Mathieu-Daudé mais en plus de nous faire partager ses connaissances et ses photos personnelles sur l’île volcanique située dans l’Atlantique Nord.

C’est Ulla Eckford-Jones qui nous accueillera le mardi 12 septembre à 15 heures. Ralf Böckmann nous présentera Comme Neige (Buchet-Castel) de Colombe Boncenne et Ute Budelmann Today we live (Édition du Cherche-Midi) de Emmanuelle Pirotte – il s’agit bien de littérature française malgré le titre !


Un Marin chilien, Agnès Mathieu-Daudé, roman, 2016, Gallimard

Le titre peut surprendre car l’auteure nous présente un marin qui n’est pas chilien, Thorvardur, et un Chilien qui n’est pas marin, Alberto. Alberto, géologue-vulcanologue, est en mission en Islande pour observer le Krafla, un volcan dont l’éruption est imminente. Dès son arrivée sur l’île, Alberto fait la connaissance de quelques autochtones typés, le lecteur en sa compagnie. Thorvardur, marin à la retraite, une brute qui passe le plus clair de son temps à se saouler ; sa mère Hekla, une dame robuste de 93 ans qui porte un prénom de volcan et en a le tempérament ; Thórunn, serveuse dans un fast food, ex-épouse de Thorvardur, à demi Inuit et fort accueillante ; Björn, frère jumeau de Thorvardur, éleveur de moutons au pied du Krafla et qui héberge des enfants en difficulté. Une sorte de rivalité naîtra entre Alberto et Thorvardur, ce dernier périra englouti par une crevasse lors d’un séisme, ce qui ravivera un souvenir douloureux chez Alberto, celui d’avoir perdu son meilleur ami, un indien mapuche comme lui, enseveli sous une avalanche dans les Andes. Dans les deux cas, Alberto se sent responsable de n’avoir pas pu sauver les deux hommes de la mort. Le comportement imprévisible des Islandais et leur excentricité, la rudesse du paysage et du climat contribuent à déstabiliser Alberto. En fait, ce séjour en Islande est un dépaysement supplémentaire car même dans son Chili natal, il ne s’est jamais senti à sa place. Né de parents inconnus, il a grandi dans un orphelinat. Dans le roman, des indices suggèrent que la raison profonde du voyage d’Alberto en Islande n’est pas d’observer le Krafla mais le désir d’échapper à son malaise moral et sentimental. Une nuit d’ivresse totale, Thorvardur lui avait vendu une usine de salaison de poisson en ruine, une invitation à s’enraciner sur l’île. Mais Alberto jette la clé de l’usine à la mer, geste symbolique pour se libérer de l’Islande, mais geste qui ne résout pas son sentiment de culpabilité. Alberto le Chilien est bien marin si on comprend cet état comme le fait de ne se sentir nulle part chez soi, d’être tiraillé entre l’appel du large et le désir de rentrer dans son foyer. Le problème de l’appartenance est un thème universel que Doan Bui a aussi traité dans Le Silence de mon père (cf. compte rendu du 28 février 2017).

Le double exotisme d’un pays peu connu vu par un Chilien indigène permet à Agnès Mathieu-Daudé de construire un roman nourri de différences culturelles, de comportements humains imprévisibles, d’incertitude générale quant à la suite des événements. Le Krafla explosera-t-il ? L’angoisse d’Alberto aussi ?

L’auteure, historienne de formation et conservateur de patrimoine de profession, a brossé des paysages somptueux de l’Islande, des portraits psychologiques fouillés, des dialogues crédibles à l’aide d’une écriture dense, riche, voire sensuelle, sans artifice littéraire et même avec une pointe d’humour.


Algèbre, Éléments de la vie d’Alexandre Grothendieck, Yan Pradeau, 2016, Éditions Allia

On aimerait mieux se rappeler ses leçons de mathématiques en lisant ce roman-biographie de Yan Pradeau ! L’auteur, lui-même professeur de mathématiques mais aussi musicien, journaliste musical, réalisateur de courts métrages, photographe et … crâne rasé comme Alexandre Grothendieck a enlevé de main de maître cette quintessence de biographie, un tout petit livre qui se lit avec intérêt et même fascination.

Fils d’un juif ukrainien assassiné à Auschwitz et d’une hambourgeoise libertaire, Alexandre Grothendieck est un des plus grands mathématiciens qui a révolutionné la géométrie algébrique. Né en 1928, apatride, anarchiste par tradition familiale, prophète des mathématiques, Alexandre Grothendieck a mené une vie extrêmement dure dans son enfance, puis profondément originale.

Les persécutions, le chômage mais aussi leur engagement politique pour la guerre d’Espagne contraignent ses parents à s’enfuir. L’enfant est confié à une famille d’accueil à Hambourg puis expédié seul en France à l’âge de 11 ans, ensuite interné avec sa mère dans un camp à Mende en Lozère. Il découvre le plaisir de l’abstraction mathématique tout seul, apprend le français en un temps record, le latin aussi tout seul, le piano par-dessus le marché. Étudiant, il résout des problèmes mathématiques devant lesquels ses maîtres échouent. Il se joint au groupe Bourbaki au milieu des années 1950. À 30 ans, Alexandre découvre le plaisir sexuel et rapproche aussitôt ses deux passions : « Faire des mathématiques, c’est comme faire l’amour ! ». Il vit avec différentes femmes avec lesquelles il a « une ribambelle d’enfants ». En 1968, il se sent incompris et rejeté par la révolution estudiantine. Il tourne alors le dos aux mathématiques en 1970 pour se consacrer au sauvetage de la planète. Il a toujours refusé les honneurs, les médailles, les consécrations. Il se brouille avec plusieurs de ses anciens amis et collègues. Sa vie devient de plus en plus instable, les traumatismes de son enfance se réveillent, la solitude revient. Il finit par couper le contact avec tout le monde, y compris ses enfants, et s’enferme dans un petit village des Pyrénées. Il meurt à Saint-Girons le 13 novembre 2014. Il a détruit la plupart de ses textes et interdit de publier tout ce qu’il avait écrit, notamment les 1000 pages de ses mémoires Récoltes et semailles dans lesquelles, grâce à la publication en ligne, Yan Pradeau a pu puiser pour construire son texte. Les mathématiques pures profitent encore et toujours des travaux d’un génie dont la perfection de l’œuvre est comparée par Yan Pradeau à celle de Jean-Sébastien Bach.

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Rundschreiben 2/2017

Liebe Cluniazenser, chères amies,

nach dem Ausgang der Präsidentenwahlen in Frankreich konnte ich in meiner frankophilen Umgebung doch – um es vorsichtig auszudrücken – eine gewisse Erleichterung verspüren, und in dieser Erleichterung schwang oft Zuversicht mit. Sicht allein ist schon gut, Zuversicht erst recht, denn bekanntlich haben wir uns in diesem Jahr einiges vorgenommen – da funktioniert Optimismus doch wie ein zusätzlicher Energieversorger!

Ganz auf dieser Linie liegt es, dass Sie so zahlreich und großzügig auf unseren Spendenaufruf für den Kongress 2017 reagiert haben – eine weitere sehr effektive Energiezufuhr. Insgesamt sind bisher aus Ihren Reihen mehr als 3000,- € Spenden zusammen gekommen, das ist wirklich großartig, Ihnen allen dafür ein herzliches Dankeschön. Ähnliches gilt für Ihre Bereitschaft zu praktischer Mitarbeit, wenn es auf den Herbst zugeht. Là aussi, un grand merci. Für den Fall, dass unser Spendenaufruf Ihnen nicht zur Kenntnis gekommen sein sollte, können Sie ihn hier herunterladen. Mit diesem Rundschreiben erhalten Sie außerdem das Beitragsschreiben 2017. Zugesagte Spenden werden wir zusammen mit dem Mitgliedsbeitrag von Ihrem Konto abbuchen.

>> Spendenerklärung herunterladen

Hier nun wie gewohnt meine Hinweise auf die nächsten Cluny-Veranstaltungen vor und nach der Sommerpause, diesmal mit literarisch-künstlerischem Schwerpunkt. Ich bin sicher, für Sie ist wieder etwas Interessantes dabei.


Dienstag, 13.06.2017, 15h00 Cluny Lectures:
Besprochen werden: Yan Pradeau,Algèbre’ / Agnès Mathieu-Daudé,Un marin chilien’
‘Cluny Lectures’ ist diesmal zu Gast bei Irène Drexel-Andrieu und freut sich zu Beginn jeder Lese-Saison (November) über weitere Mitwirkende. Interessenten wenden sich bitte an Maryse Vincent maryse-vincent@t-online.de oder Marie Herford herfordmnf@gmx.de


Donnerstag, 15.06.2017, Damenkreis:
Causerie en français im Restaurant « Rainvilles Elbterrassen »
Anschrift: Rainvilleterrasse 4, 22765 Hamburg
Anmeldung bitte bis 12.06. bei Helena Paetow-Stiegen


Mittwoch, 28.06.2017 19h00
Doan Bui, « Le silence de mon père » – Buchvorstellung & Gespräch
Mit der Autorin und Philippe Wellnitz (Sujet Verlag, Bremen) für die deutsche Übersetzung.
Im Rahmen der ‘Tage des Exils 2017’: Moderation: Irène Drexel-Andrieu
Ort: Warburg-Haus, Heilwigstraße 116, 20249 Hamburg
Anmeldung bitte bis zum Montag, 26.06. in der Cluny-Geschäftsstelle


Freitag, 28.07.2017 12h00
Damenkreis: Causerie en français mit Alsterschippern zum Café ‚par ici’,
Maria-Louisen-Straße 1, 22301 Hamburg. Treffpunkt 12h00 am Anleger 4.
Anmeldung bis 26.07.2017 bei Helena Paetow-Stiegen


Mittwoch, 4.10.2017, 19h00
„Literatur, Musik und Malerei: correspondances – reflets – échos“
Ein künstlerischer Abend, der alle Sinne anspricht – auf den Spuren französischer
Literatur, Musik und Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Vortrag: Gérard Gengembre (Caen), Klavier: Ute Jacobi (Lüneburg)
Violine: Julia von Rosen (Hamburg), Gesang: Julia Henning ( Lüneburg)
Ort: Lichtwarksaal, Carl-Töpfer-Stiftung, Neanderstraße, 20355 Hamburg
Anmeldung in der Geschäftsstelle erbeten bis Donnerstag, 28.09.2017


Donnerstag, 23.11. – Sonntag, 26.11. 2017
« Deutschland und Frankreich: fruchtbare Gegensätze. Von Freunden lernen in kritischen Zeiten »
62. Jahreskongress der Vereinigung der Deutsch-Französischen Gesellschaften für Europa (VDFG / FAFA) und 70. Geburtstag der Deutsch-Französischen Gesellschaft Cluny e.V. Hamburg
Anmeldung in der Geschäftsstelle möglichst frühzeitig erbeten unter: 040/89709233 / info@cluny.de


Schließlich noch ein Hinweis unseres Cluny-Mitglieds Edeltraut Stichel auf die „Schlossrosen-Matinee“ am 25.06.2017 um 11.00 Uhr im Ruderclub Favorite Hammonia, Alsterufer 9. Eine Veranstaltung des Freundeskreises Hamburg im Förderverein Berliner Schloss e.V. Auf dem Programm: Rosen, Arien und Lyrik. Kostenbeitrag 40,- € (incl. Büffet und Begrüßungsgetränk). Anmeldung bis 20.06. per Überweisung auf das Konto des Fördervereins: IBAN DE72 1007 0000 0077 2277 24, Kennwort „Schlossrosen“

Mit frühsommerlich (???) heiteren Grüßen,

bien à vous

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Cluny Lectures: Compte rendu da la 4e rencontre

Le groupe de lecture de Cluny s’est réuni pour la quatrième fois cette année pour parler de deux premiers romans abordant plus des aspects de l’Église catholique que la foi. L’action de Lucie ou la vocation prend place dans un couvent de l’époque contemporaine ; Possédées apporte un éclairage politique à des événements historiques du 17e siècle. Ralf Böckmann nous a largement fait profiter de ses connaissances d’historien pour mieux comprendre le contexte de l’époque. Les deux intervenantes étaient Ulla Eckford-Jones pour Lucie ou la vocation et Marietta Schulz pour Possédées (cf. les comptes-rendus de lecture ci-dessous).

Notre prochaine rencontre aura lieu le 13 juin chez Irène Drexel-Andrieu. Gisela Maibaum-Busecke a proposé de présenter Algèbre de Yan Pradeau (2016, Allia) et Fried Normann nous parlera de Un marin chilien de Agnès Mathieu-Daudé (2016, Gallimard). Nous prendrons ensuite nos « grandes vacances » en juillet et août et nous retrouverons en septembre pour examiner le reste de notre sélection de 2017.


Lucie ou la vocation, Maelle Guillaud, roman, 2016, Héloïse d’Ormesson

Ma première pensée fut « Mon Dieu, je ne suis pas croyante ni personne dans ma famille non plus ! » Mais quand j’ai commencé à le lire, j’ai trouvé ce livre fascinant et je l’ai lu comme un polar. Lucie ou la vocation est un roman passionnant et très bien écrit, ce qui n’est pas étonnant quand on apprend que l’auteure est éditrice.

Le thème du livre n’est guère la religion. Il commence en nous présentant la compétition entre étudiants et dans le monde du travail, telle qu’elle est un peu partout dans le monde de notre époque. Le harcèlement existe non seulement à l’école et au travail mais aussi au couvent comme Maelle Guillaud nous en informe. Quand Lucie est encore étudiante, sa grand-mère lui dit : « Ce n’est pas humain ce qu’ils vous demandent ». Lucie se tourne alors vers le divin. Comme beaucoup de jeunes gens, elle cherche quelque chose d’autre, la paix et le silence qu’elle espère trouver au couvent. Après avoir rejoint les sœurs, Lucie explique à sa meilleure amie, Juliette, qu’elle a trouvé un sens à sa vie. En khâgne, elle avait fait la connaissance de Mathilde qui lui avait montré le chemin du couvent. Les deux jeunes filles se retrouvent effectivement au couvent, mais là, Mathilde s’occupe seulement de sa propre carrière et ignore Lucie. Le seul soutien de Lucie au monastère semble être le père Simon, un ami d’enfance de son père décédé.

La vie au couvent n’est pas du tout ce que Lucie avait espéré. La moindre désobéissance est sanctionnée par des punitions sévères. La mère supérieure est une intrigante et fait régner une atmosphère de peur, aidée de son chien méchant, un doberman. A la fin du livre, on découvre que la prieure est malhonnête : elle a détourné de l’argent de la congrégation pour s’acheter un appartement où elle veut passer ses dernières années. Mathilde sera chassée du couvent à cause de ses intrigues. Lucie est choquée, elle pense à quitter le voile, elle a perdu la foi. C’est alors que le père Simon lui annonce que, sur sa recommandation, le nonce veut la nommer prieure. Lucie est bouleversée, que doit-elle choisir ? Elle ne sait rien faire puisqu’elle n’a pas terminé ses études, comment pourra-elle se débrouiller dans la vie civile ? Elle peut compter sur le soutien de Juliette et de sa mère mais elle doute que cela suffise. A la fin du roman, on comprend que Lucie a retrouvé ses ambitions d’autrefois, la position de prieure la tente.

Certains aspects de la vie cloîtrée semblent difficiles à croire, mais Maelle Guillaud nous apprend que son roman est basé sur l’expérience de l’une de ses proches. Le rôle du père Simon est équivoque. Que cherche-t-il vraiment ? Aider Lucie ou avoir de bonnes relations avec le nonce ? Comme toujours dans la vie, il faut avoir de bonnes relations, du piston pour avancer plus vite et plus facilement. Intra-muros ou extra-muros, l’échelle de carrière est la même !


Possédées, Frédéric Gros, roman, 2016, Albin Michel

L’auteur, Frédéric Gros, est né en 1965. Il est professeur de pensée politique à l’Institut d’études politiques de Paris et aussi à l’Université Paris-Est-Créteil-Val de Marne. Il est essayiste, philosophe et a déjà publié plusieurs livres dans sa spécialité.

Possédées est son premier roman, roman historique basé sur des événements authentiques qui ont inspiré au cours des siècles aussi bien des historiens que des cinéastes et des écrivains. L’action se déroule au début du 17e siècle, sous le règne de Louis XIII et de Richelieu, donc aux temps des guerres de religion.

Loudun, ville située dans le Poitou, ville forte abritant autant de catholiques que de huguenots, constitue le principal décor de l’action. Jeanne des Anges, mère supérieure du couvent des ursulines, montre tout d’un coup des signes de folie et se dit possédée par le diable. Son corps se tord en convulsions extrêmes, elle hurle et professe des insultes, des blasphèmes. Elle écarte les jambes, caresse ses seins, gémit en susurrant des mots sexuels. Bientôt, les sœurs du couvent suivent son exemple et se disent aussi possédées par le diable. Le coupable de tous ces phénomènes est vite trouvé : Urbain Grandier, curé catholique de la ville mais qui entretient de bonnes relations avec les huguenots, jeune, beau, intelligent, séduisant, qui aime les femmes et s’est déclaré ouvertement adversaire du célibat en le manifestant dans un essai. C’est le bouc- émissaire idéal. Autour de cette possession diabolique se trament des complots politiques et des querelles personnelles.

L’auteur a essayé de créer un équilibre entre la dimension historique et celle du romanesque. En lisant ce roman, le lecteur ne peut que se poser la question de savoir s’il s’agit d’une pure comédie ou d’une psychose collective qui met toute une société en danger. Et surtout il est intéressant de voir combien un tel délire est instrumentalisé par la politique.

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Cluny Lectures: Compte rendu da la 3e rencontre

Le groupe de Cluny Lectures s’est réuni pour la troisième fois vendredi 24 mars 2017 afin de présenter trois nouveaux romans. La discussion a été d’autant plus animée que les avis étaient divergents. Chacun et chacune a proposé son évaluation en fonction de critères différents concernant tant le fond que la forme. Une question récurrente a été de savoir si la reprise de mythes ou d’éléments historiques permettent d’enrichir notre compréhension du monde contemporain. Quoi qu’il en soit, des éclairages contrastés abordent un texte sous différentes perspectives et représentent donc un enrichissement dans la connaissance d’une œuvre littéraire.

Ute Budelmann a ouvert la séance en présentant Allegra de Philippe Rahmy, puis Dr. Helmut Meise nous a parlé de Celui-là est mon frère de Marie Barthelet et Geneviève Langlott a clos la séance avec le Vieux qui déjeunait seul de Léa Wiazemsky.

La prochaine rencontre aura lieu le 9 mai à 15 :00 chez Gisela Maibaum-Busecke. Marietta Schulz fera un compte rendu critique de Possédées (Frédéric Gros), Ulla Eckford-Jones de Lucie ou la vocation (Maelle Guillaud), Maryse Vincent de Algèbre (Yan Pradeau).


Notes de lecture

  • Allegra, Philippe Rahmy, roman, 2016, La Table Ronde

Philippe Rahmy est né à Genève en 1965. Il a fait des études classiques à l’Institut Florimond à Genève, régulièrement interrompues par une santé fragile, durant lesquelles il découvre la poésie et son propre besoin d’écrire. Il entame des études de philologie, conclues par un master en littérature et philosophie à l’université de Lausanne. Il est membre de la rédaction du site de création et de critique littéraires « Remue net ». Ses textes sont publiés en France, Suisse, USA, Italie, Chine.

Dans son roman « Allegra », Philippe Rahmy raconte l’histoire d’Abel, fils d’une famille arabe qui a quitté l’Algérie pour vivre en France. Abel est allé à Londres pour faire fortune. Il habite avec sa femme Lizzie qui est de retour de la maternité. Depuis la naissance d’Allegra, leur fille, Lizzie traite son mari en étranger. Les disputes se succèdent, et finalement Lizzie le chasse de leur appartement. D’autre part, son ami Firouz qui l’avait engagé pour travailler comme « trader » dans une banque islamique d’investissement, l’accuse d’avoir saboté l’algorithme. La banque a perdu énormément d’argent, et Abel est congédié. Sans domicile, sans travail, il erre à travers Londres.

Été 2012, les Jeux olympiques se préparent à Londres. La peur d’un attentat est dans l’air, les barrages de police partout. Échoué dans un hôtel « Le Salaam » au milieu de migrants et de réfugiés, Abel essaye de remettre de l’ordre dans sa vie. Firouz lui offre un nouveau « travail ». Pour cela Abel laisse pousser sa barbe, s’habille à la mode orientale et consacre son temps à construire une bombe. Vendredi 27 juillet 2012. La cérémonie d’ouverture des Jeux olympiques débute. La bombe est prête. Abel enfile son sweat aux couleurs des bénévoles olympiques. Ses effets personnels finissent dans un sac-poubelle. Il désosse son ordinateur et brise le disque dur. Son sac à dos sur l’épaule, il se joint à un groupe de bénévoles, il entre dans l’arène sans être contrôlé et se retrouve assis à côté d’une fillette. Il l’aide à gonfler un ballon qui se déploie. Elle le laisse échapper, et le vent l’emporte. Des mains se lèvent, le ballon rebondit de spectateur en spectateur, d’un enfant à l’autre…Abel désactive le détonateur. La fillette prend sa main. Ses larmes viennent.

Allegra, sa fille, lui apparaît. Elle a les yeux fermés. Elle ne les rouvrira plus, Abel en porte la responsabilité.

L’auteur insère l’histoire individuelle d’Abel faite de culpabilité et de rachat dans l’Histoire coloniale de la France. Comme dans le récit « Le Silence de mon père », le héros est issu de l’immigration et, quoi qu’ayant fait des études en France, n’est pas intégré. Sa trajectoire n’est pas totalement différente de celle de ses parents bien que plus de 60 ans soient passés depuis la fin de l’empire colonial.

« Allegra » est un roman de haute tension. Il est quelquefois difficile de s’orienter car le présent et la réflexion sur le passé s’entremêlent. Un road-movie s’étale devant le lecteur, des « flash » illuminent lieux et rencontres. Bouleversant, fascinant !

  • Celui-là est mon frère, Marie Barthelet, roman, 2016, Buchet-Chastel

La jeune auteure française nous présente une histoire énigmatique à plusieurs points de vue. Nous nous retrouvons dans un régime dictatorial sans fixation locale ni temporelle, où des personnages principaux sans nom agissent comme dans un drame antique qui va inéluctablement à la catastrophe.

Le chef d’État est le personnage principal. Il écrit le roman à la première personne et ne cesse d’évoquer les souvenirs heureux de son enfance et de sa jeunesse qu’il a passées avec son frère adoptif, son copain inséparable à cette époque. Mais la réalité actuelle est fort différente, dure et cruelle, car ce même frère arrive dans la capitale à la tête d’une rébellion de la minorité ethnique dont il fait partie et qui a été opprimée depuis des générations. Le dictateur-écrivain ne réussit pas à se défaire de l’impact de ses souvenirs qui le condamnent au contraire à une passivité néfaste en face des fléaux d’origine obscure qui soudain frappent le pays, et de l’avance de la rébellion. Contre toute évidence il ne cesse de rêver d’une réconciliation avec le frère, mais celle-ci n’interviendra qu’après son humiliation.

Le langage du récit, concis et de haut niveau, semble approprié au caractère parabolique (?) du contenu, mais il m’a paru par trop elliptique, laissant peu de place à des éléments vitaux, comme p. e. les caractères et les sentiments des personnages. (Le faible volume du roman aurait profité de quelques pages supplémentaires consacrées à ces aspects.)

L’auteure a d‘ailleurs déclaré s’être inspirée pour ce roman de l’histoire biblique du Pharaon Ramsès et de Moïse, le juif qui libéra son peuple du joug égyptien – référence dont je n’ai compris ni l’évidence ni le sens.

  • Le Vieux qui déjeunait seul, Léa Wiazemsky, roman, 2016, Éditions Michel LAFON.

Clément, un vieux monsieur, vient tous les lundis manger dans le restaurant où travaille Clara, une jeune serveuse de vingt-sept ans. Il déjeune toujours à la même place et commande le même plat. Clara se prend d’affection pour ce vieux monsieur. Jusqu’ici, elle n’a pas remarqué que lui aussi s’intéressait à elle. Une remarque de Clara sur le livre qu’il a posé sur la table au restaurant sera le point de départ de conversations qui déboucheront peu à peu sur une profonde amitié entre Clément et elle. Cette compréhension mutuelle, cette relation étroite qui se crée entre les deux protagonistes trouve son explication dans leur biographie respective. Tous deux portent en eux des blessures qui ont leur origine dans les événements tragiques de la Seconde Guerre Mondiale.

Clara est mal dans sa peau : accablée par le passé de collaborateur de son grand-père maternel, elle ressent honte et culpabilité et s’interdit d’être heureuse. Clément, un ancien résistant qui a survécu à la déportation pendant la guerre, supporte la vie plus qu’il n’en jouit car il n’a jamais surmonté la perte de sa femme. En se confiant mutuellement ce qui les tourmente, chacun va redonner peu à peu à l’autre la joie de vivre. Clément trouve en Clara la petite fille qu’il aurait aimé avoir. Clara découvre en Clément le grand-père qu’elle n’a jamais eu et elle est en mesure d’ouvrir son cœur à Bastien, un jeune barman qui la courtise.

Le roman captive dès les premières lignes, séduit par la justesse et la sensibilité des observations.

L’auteure change de perspective à chaque chapitre : Clara et Clément – et plus tard Bastien – sont à tour de rôle narrateurs, ce qui permet au lecteur de se plonger facilement dans le monde intérieur de ces personnages. Dommage que la fin du roman, en correspondance avec le contenu, soit un peu à l’eau de rose.

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Caricatures. Spott und Humor in Frankreich von 1700 bis in die Gegenwart

casse-toiErgänzende Betrachtungen zu einer Ausstellung des Museums Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover im Jahre 2016.

Ein Votrag von RALF BÖCKMANN
Mittwoch, den 3. Mai 2017, 19 Uhr
Warburg-Haus Hamburg, Heilwigstraße 116

Die Ausstellung im Jahre 2016 konzentrierte sich auf die Bestände des Hauses aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Unter Kennern brachte es gerade das 19. Jahrhundert trotz (oder wegen?) strenger Zensur zu einiger Berühmtheit und ging als „Goldenes Zeitalter“ in die Geschichte der französischen Karikatur ein.

Wohl auch deshalb fanden das 20. und 21. Jahrhundert in der Hannoverschen Ausstellung eine bescheidenere Resonanz. In seinem Vortrag liefert Ralf Böckmann deshalb neben einer Rückschau auf die Präsentation des Museums Wilhelm Busch Ergänzungen aus seiner eigenen, umfangreichen Karikaturen-Sammlung einschließlich einer facettenreichen Weiterführung bis in unsere heutige Zeit.

  • Verre de l’amitié im Anschluss
  • Anmeldung in der Geschäftsstelle bitte bis Donnerstag, 27. April
  • Einladung als PDF
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DAS VERSTECK, Christophe Boltanski

La Cache wurde von der Hamburger Jury des „Festival de Chambéry“ als bester Erstlingsroman des Jahres 2016 gekürt. Am 9. November 2016 hatten wir die Ehre, seinen Autor Christophe Boltanski im Warburghaus zu begrüßen. Da die Veranstaltung in französischer Sprache stattfand, hatten unsere deutschsprachigen ClunisianerInnen noch nicht das Vergnügen, den Inhalt dieses wunderschönen Romans kennenzulernen. Das ist nun möglich. Das Versteck wird im Juli 2017 beim Verlag Carl Hanser herauskommen (23,- €, gebundene Ausgabe, ISBN-10 3446256423).

Christophe Boltanski, 1962 in Paris geboren, arbeitete lange als Journalist und Kriegsreporter bei Libération und Nouvel Observateur und ist seit 2017 Chefredakteur der Zeitschrift XXI. Er ist der Sohn des Soziologen Luc Boltanski und ein Neffe des bildenden Künstlers Christian Boltanski. Sein erster Roman Das Versteck war ein Überraschungserfolg in Frankreich und wurde mit dem Prix Femina ausgezeichnet.

Zum Inhalt: Im Hof des Hauses in der Rue de Grenelle steht der Fiat 500, den Großmutter gern schwungvoll fährt, weil man dann nichts von ihrer Gehbehinderung merkt. Im Erdgeschoss führte Großvater seine Arztpraxis, seit er seine Stelle in einem Pariser Krankenhaus verlor. Der getaufte Jude erkannte die Gefahr im Frankreich unter der Herrschaft des Nationalsozialismus erst spät. Seine Frau griff zur List: Sie ließ sich offiziell scheiden und versteckte ihren Mann in einem Gelass zwischen Bad und Schlafzimmer. Als der Krieg zu Ende ist, kommt ihr dritter Sohn zur Welt.

Originell und voller Zuneigung erzählt Christophe Boltanski die Geschichte seiner Familie anhand der Geschichte dieses einzigartigen Hauses.

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„Six mois à Hambourg ou comment retrouver le Nord“

Bei der Mitgliederversammlung am 6. April 2017 berichtete der französische Generalkonsul Laurent Toulouse von seinen ersten Erfahrungen in Hamburg. Seinen Vortrag können Sie hier als PDF herunterladen.

„Ich freue mich, wieder vor Ihrer Versammlung zu sprechen. Sie sind der deutsch französische harte Kern in Hamburg und ein treues und aufmerksames Publikum, das ich immer gerne treffe. Ich weiß nicht, ob der umgekehrte Fall auch zutrifft. Ich danke jedenfalls Ihrem Präsidenten herzlich für die Einladung, zum Abschluss Ihrer Versammlung zu sprechen. Es ist eine Ehre für mich, die ich beim Blick in Ihr Programm und angesichts der Kompetenz, mit der Ihre Unternehmungen organisiert werden, sowie angesichts Ihres zivilen Engagements und persönlichen Einsatzes zu schätzen weiß.

Das für den heutigen Abend gewählte Thema kann überraschen. Vielleicht erwarten Sie einen Überblick über die deutsch-französischen Beziehungen, über Zukunftsszenarien einer EU 27 oder einen Bericht über die aktuelle Lage in Frankreich. Aber ich ziehe es vor, den Zeitraum vor den Wahlen, wo eine strikte Neutralität von Beamten gewährleistet sein muss, dafür zu nutzen, dass wir uns noch besser kennenlernen.

Der Ausdruck « retrouver le nord » hat eine besondere Konnotation. Abgeleitet vom gebräuchlicheren Ausspruch „perdre le nord“ im Sinne von „Orientierung verlieren“ bedeutet „retrouver le nord“ so viel wie: seine Orientierung wiederfinden, seinen rechten Weg wiederfinden.

Will ich etwa damit sagen, dass ich die Orientierung verloren habe, bevor ich hierher kam? Im persönlichen Bereich gäbe es dazu viel zu sagen. Wir leben in einer Zeit, die viele Selbstverständlichkeiten in Frage stellt! Aber ich werde Ihnen persönliche Fragestellungen ersparen und vor allem über drei Dinge sprechen, bei denen ich an „retrouver le nord“ – die Orientierung wiederfinden – denke:

Für mich bedeutet Hamburg die Rückkehr nach Deutschland, nachdem ich zuletzt vor 18 Jahren einen längeren beruflichen Aufenthalt in Deutschland verbracht hatte.

In Hamburg erlebe ich auch ein anderes Gesicht von Europa, nachdem ich vier Jahre in Prag gewesen bin.

Und schließlich ist Hamburg für mich gleichbedeutend mit der vollen Ausübung meines diplomatischen Handwerks.

Was gibt es weiteres zu diesen drei Punkten zu sagen:

Ich beginne mit dem ersten Punkt, der Rückkehr nach Deutschland. Vor 18 Jahren kam ich zu meinem ersten Aufenthalt in Deutschland als Diplomat. Bonn 1995-1998, unter Bundeskanzler Kohl: Es sind seine letzten Kanzlerjahre sowie die letzten Jahre der nach dem Krieg errichteten, französischen Botschaft am Rheinufer, die mehr Ähnlichkeit mit einer Stadtteilschule als mit einem Palast der Republik hatte.

Dort fungierte ich als Botschaftssekretär für Europäische Fragen. Diese Jahre waren erfüllt von Aufbruchsstimmung und Diskussionen: Der Fall der Mauer, die deutsche Vereinigung, die deutsche Einheit und die europäische Einheit, endlose Diskussionen über die Architektur Europas: europäische Konföderation, Föderales Europa, zwischenstaatliches Europa, Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten. Und die berüchtigte Netto-Zahler-Debatte, also die Frage, ob Deutschland nicht zu viel zahlt.

Ich sehe diese Jahre wie in einem Traum an mir vorüberziehen. Es war noch vor der Globalisierung, vorm 11. September, vorm Klimawandel, vor Putin, und in gewisser Weise vorm Front National.

Die Welt hat sich geändert seit dieser Zeit. Die Ambitionen einer europäischen Föderation scheinen erloschen, unsere Probleme sind heute globaler Natur, was auch bedeutet, dass wir nicht mehr zwischen inneren und äußeren Herausforderungen unterscheiden. Und trotz alledem lässt mich das Deutschland im Jahre 2016 oft ans Deutschland im Jahr 1996 denken.

Vor 18 Jahren sprach man schon vom Kerneuropa – in einem bereits sehr schwierigen, europäischen Kontext. Und nun ist dieses Thema wieder auf der Tagesordnung, Angela Merkel befürwortet ein Europa mit verschiedenen Geschwindigkeiten, was unterstellt, dass es einige Staaten gibt, die schneller sind und dadurch zu einem Kerneuropa oder zu einem aktiven und strukturierten Fundament Europas gehören würden.

Vor 18 Jahren sprach man von Deutschland als Zentralmacht in Europa. Und nun ist das Thema des Zentrums mit der Idee eines Deutschlands als Macht in der Mitte auf der Tagesordnung, was eine ganz besondere Verantwortung für Deutschland als Garant der europäischen Stabilität bedeuten würde.

Eine weitere Ähnlichkeit zwischen früher und heute drängt sich auf: mehrere Schockwellen durchliefen das Land nach 1989 mit der deutschen Einheit. Ich bin erstaunt über die Ähnlichkeiten bei den Freudenszenen im Sommer 2015 und denen im Herbst 1989. Mit 18 Jahren Abstand beobachte ich den gleichen politischen und gesellschaftlichen Elan, den Einsatz der Zivilgesellschaft und eine Mischung aus Idealismus und ökonomischer und sozialer Mobilisierung, was auch kurzfristig eine Veränderung des Landes bedeutet. So als bräuchte Deutschland eine Schocktherapie der besonderen Art, die in Europa ihresgleichen sucht, um sich aufrecht zu halten.

In diesem Deutschland entdecke ich die Politikkultur wieder, die ich in den Jahren 1995-1998 bewundert hatte, die von Zurückhaltung geprägt ist. Welch Reichtum stellt diese Zurückhaltung dar, in einer Zeit, die von verbalen Ausfällen, von Unbeständigkeit und Manipulationen der Tatsachen geprägt ist.

Ohne diese Zurückhaltung gibt es kein Zuhören, keinen Dialog, aber auch keine langfristigen Visionen und keine nachhaltige öffentliche Politik, die sich auf Konsens und Zustimmung durch die größtmögliche Anzahl an Menschen auszeichnet.

Der Zufall wollte es, dass ich kurz nach Henning Voscheraus Ableben in Hamburg eingetroffen bin. Was ich über ihn gelesen habe und was man mir von ihm berichtet hat, diente mir als Einführung in die Hamburger Geisteshaltung.

Ich sehe übrigens einen Zusammenhang zwischen dieser Politikkultur und der alltäglichen Erfahrung, die ich selber mache, denn Hamburg steht für mich vor allem für Menschen und Gesichter. Mich verblüfft der Sinn für Hilfsbereitschaft und zwischenmenschliche Unterstützung, die Sorge um den anderen. „Retrouver le Nord“ – bedeutet für mich auch die Höflichkeit und allgemeine Umgangsregeln wiederzufinden, die zeigen, dass man hier darüber nachdenkt, wie man das Zusammenleben organisiert.

Ich denke besonders an eine Begebenheit: das verbindliche Lächeln, das man in der Straße mit einer oder einem Fremden austauscht, wenn sich die Blicke in heimlichen Einverständnis kreuzen, weil man im gleichen Augenblick die gleiche Sache mit den gleichen Hintergedanken gesehen hat. Dieser im ersten Moment banalen Erfahrung kommt, meiner Meinung nach, eine grundsätzliche Bedeutung zu, denn ich kenne eine ganze Reihe von Ländern in Europa und auf anderen Kontinenten, wo das nicht möglich wäre. Wo das Lächeln auf missverständliche Art und Weise interpretiert und gewertet werden würde. „Retrouver le nord“ bedeutet also auch die Freiheit wiederfinden, die Intelligenz, die Freude am verbindlichen Lächeln. Man muss gar nicht miteinander sprechen, es dem anderen erklären: Jedem wird von vornherein mit Menschlichkeit begegnet, während einiger Sekunden, dann geht man seines Weges.

Es erscheint mir so, dass das Deutschland im Jahr 2016 im Vergleich zu 1996 seine « Willkommenskultur » verfeinert hat. Ich würde sagen, dass Deutschland diese perfektioniert hat. Wenn man sich die Tourismus-Statistiken ansieht, erhält man dafür die Bestätigung. Ihr Land ist zu einem der wichtigen Ziele für Reisende weltweit geworden.

Das ist ein großer Erfolg, denn die traditionellen Urlaubsländer charakterisieren sich nicht immer durch ihre Gastfreundschaft.
Daraus schließe ich: retrouver le nord, c’est retrouver l’Allemagne.

Ich habe ein Land wiedergefunden, das ich in der gleichen Form gekannt habe. Aber ich habe den Eindruck, dass sich Deutschland mit der Geste der Öffnung für die Flüchtlinge und Migranten vollendet hat. Natürlich war diese Geste auch aus ökonomischen Beweggründen motiviert und vielleicht sogar strategisch, aufgrund der Befürchtung eines kommenden, demographischen Schocks, wovon sich das soziale System nicht erholen würde. Aber ich glaube, dass es vor allem daran liegt, dass diese Politik einer Logik der deutschen Geschichte nach 1945 folgt.

Jetzt komme ich zu einer zweiten Erfahrung: von Prag nach Hamburg zu kommen, bedeutet auch, von einem Europa in ein anderes zu kommen. Das Mitteleuropa, das ich im Jahr 2016 verlassen habe, war nicht mehr dasjenige, das ich bei meiner Ankunft in 2012 vorgefunden hatte. Zwischen diesen beiden Zeitpunkten ereignete sich die Flüchtlingskrise. Sie wissen, dass die Aufforderung Flüchtlinge aufzunehmen und die Kosten nach einem gerechten Schlüssel zwischen den europäischen Ländern zu verteilen, dort als Angriff und Bedrohung aufgefasst worden ist.

Alte Bilder sind wieder hochgekommen, solche von der Frontlinie im Angesicht des osmanischen Angreifers. Der ausländische Flüchtling oder Migrant wurde in diesem Teil Europas als Bedrohung wahrgenommen, der die physische Integrität des Territoriums und der ganzen Nation aufs Spiel setzt. Darum ist der Zusammenhalt zwischen diesen Nationen und der EU schwächer geworden. Denn für diese Binnenländer, ohne Küsten, ohne grenzüberschreitende Kooperationen, ohne koloniales Erbe, kommt die Gefahr von nun an auch aus Europa, angesichts der Forderung, die „Lasten“ zu verteilen. Für diese Länder ist Europa nicht mehr der Raum, in dem Sicherheit und Schutz garantiert wird, so wie zuvor versprochen.

Wie kann man sich einen stärkeren Gegensatz ausmalen, als den zwischen dieser so starken Identitätsbekräftigung und der „Willkommenskultur“, von der ich zuvor gesprochen habe? Selbstverständlich sind die Gegebenheiten komplexer als meine Darstellung. Und man darf auch diejenigen nicht vergessen, die in Budapest abwechselnd die Züge begrüßt haben und diejenigen, die in Prag gegen Fremdenfeindlichkeit protestieren.
Aber die politischen Tatsachen sind da und von Prag nach Hamburg zu kommen, bedeutet für mich, durch eine neue Tür zu gehen. Von der angstgetriebenen Krise bin ich zu einem Thema in der Gesellschaft gekommen: Wie soll man die Fremden integrieren, mit welchen Mitteln, welchen Instrumenten, mit welchen Zielen? Zwei Beispiele aus Hamburg illustrieren die Trennlinie zwischen Prag und Hamburg: im Sommer 2016 wurden die Bürger vom Senat aufgefordert freie Flächen in der Stadt zu identifizieren und man hat ganz normale Einwohner gesehen, die über verfügbare und wünschenswerte Flächen für die Unterbringung der Flüchtlinge nachgedacht haben; die von der Volksinitiative „Hamburg für gute Integration“ eingesetzte „Ampel“, um damit die Umsetzung der städtischen Verpflichtungen bei den Fragen der Integration zu kontrollieren. Östlich der Elbe vielleicht noch undenkbar!

Das gibt mir die Überleitung zu meinem dritten und letzten Punkt. „Retrouver le Nord“ in Hamburg, bedeutet auch meiner Arbeit als Diplomat Sinn und Zweck zu verleihen. Sie kennen die Aufgaben eines Diplomaten: Repräsentieren, verhandeln, Informationen zusammentragen, Interessen schützen, die bilateralen Beziehungen fördern, Kommunikation vor Ort.
In meinem Beruf treffen diese Aufgaben in der Realität nur bei einer Gelegenheit zusammen: Wenn man Amtsleiter ist, also Botschafter oder Konsul. Erst in diesem Moment kommen sie in den vollen Genuss aller Seiten dieses Berufs. Sie sind in vorderster Linie. Aber es reicht nicht aus, Amtsleiter zu sein, um alle wichtigen Aspekte dieses Berufs entdecken zu können. Man benötigt auch gute Mitarbeiter, die aufeinander abgestimmt und motiviert sind.

Aber auch bei den Mitarbeitern hört es nicht auf! Man braucht auch einen guten Posten, „un bon poste“, wie es in unserem Jargon heißt, und zwar in einem Land, wo diplomatisches Handeln Sinn macht. Ich kann, liebe Freunde, hier in Hamburg alle nötigen Zutaten für ein erfülltes Diplomatenleben genießen.
Repräsentieren: Sie wissen, wie stark Hamburg seiner Tradition als Stadt-Staat verbunden ist. Daraus folgt, dass die Stadt ihre akkreditierten, nach Hamburg geschickten diplomatischen Vertreter mit Aufmerksamkeit und Höflichkeit behandelt. Und diese Tradition wird geteilt von den Schlüsselinstitutionen der Stadt. So ist das politische und soziale Leben nach wichtigen Terminen getaktet: die alljährliche Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg, das Matthiae Mahl, das Konsularische Dinner, und so weiter. Mir wurde sehr rasch ein Termin beim Ersten Bürgermeister angeboten, der auch, wie Sie wissen, der Bevollmächtigte im Bund für die deutsch-französischen Kulturbeziehungen ist, sowie mit dem Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein.
Und letztlich bei meinem Antrittsbesuch bei Präsidentin Carola Veit wurde die französische Fahne am Rathaus hochgezogen, einen ganzen Tag lang. Ein unvergesslicher Eindruck!
Ich hatte bereits Gespräche mit verschiedenen Senatoren, darunter die Senatoren Rabe, Horch und Brosda. An diesen Namen erkennen Sie meine Schwerpunkte: Bildung, Wirtschaft und Kultur, auf die ich gleich noch kurz zu sprechen komme.

Repräsentieren bedeutet auch, an wichtigen, diplomatischen Ereignissen teilzunehmen. In diesem Bereich spielt Hamburg in der ersten Liga mit. Nach dem OSZE-Gipfel im Dezember 2016, folgt der G20 im Juli. Daneben gibt es noch die Messe der maritimen Wirtschaft SMM, die der erneuerbaren Energie gewidmete Wind-Energy-Messe sowie die Messe Aircraft Interiors Expo Hamburg, die internationale Ausstellung rund um Flugzeuginnenausstattung, einer Besonderheit des Luftfahrtclusters in Hamburg. Auch Frankreich nimmt daran teil und ich besuche gerne die Stände unserer Aussteller. Ich pflege auch die Beziehungen zu anderen Institutionen, so wie die Führungsakademie der Bundeswehr, das Institut für berufliche Weiterbildung und auch zu den Vertretern der Religionsgemeinschaften, besonders zur lutherischen und katholischen Kirche, deren Repräsentanten in Hamburg anziehende und vielleicht unterschätzte Persönlichkeiten sind. Gegenüber dem einen oder anderen vergesse ich nicht, dass ich Frankreich repräsentiere und nicht nur seine Autoritäten.
Verhandeln: Eine große Überraschung hat mich im September erwartet, nämlich das Projekt eines deutsch-französischen Gymnasiums, nach dem Modell des Gymnasiums in Saarbrücken. Eine schöne Idee und ein kühnes Projekt, denn man kann nicht sagen, dass Hamburg eine für ein solches Projekt typische Stadt darstellt. Damit möchte ich ausdrücken, dass Hamburg weder Grenzstadt noch aus historischen Gründen besonders Frankreich zugewandt ist.
Nichtsdestotrotz hat die Idee einer deutsch-französische Ausbildung, in Anlehnung an die Systeme und Unterrichtsmethoden unserer beiden Länder, den Ersten Bürgermeister überzeugt. Auch die französischen Behörden unterstützen dieses Projekt, das anspruchsvoll und schwer umzusetzen ist. Es benötigt viele Erklärungen und Dialog zwischen Lehrkräften und Eltern. Diese Ausbildung wird den Schülern nicht nur einen sprachlichen Vorteil bringen, sondern auch interkulturelle Kompetenzen. Das ist für unsere jungen Leute ein entscheidender Faktor. Aber es ist auch ein hoher Anspruch, französische und deutsche Klassen miteinander zu vereinbaren. Man sieht es an den Einrichtungen im Ausland, wo die Schüler innerhalb ihrer sprachlichen Community bleiben und sich nicht miteinander vermischen.

Informationen zusammentragen: eine der wichtigsten Aufgaben eines Diplomaten. Ein Diplomat bedient sich dabei öffentlich zugänglicher Informationen, er spioniert nicht. Jedenfalls kein französischer Diplomat! In Zeiten von manipulierten und zugleich sehr unzureichenden Informationen ist diese Aufgabe maßgeblich. Mein Aufenthalt in Hamburg ist in dieser Hinsicht eine wahre Freude, denn Deutschland ist ein Vorbild in Sachen öffentlicher Informationszugang. Liebe Freunde, zweifeln Sie nicht daran, Ihre Nation beweist jeden Tag aufs Neue, dass sie Reife und demokratische Vorzüglichkeit besitzt, indem sie über sich selbst auf allen Ebenen, sei es Bund, Länder, Parteien, Vereine, Kommunen oder Kirchen, Auskunft gibt. Diese Weitergabe von Informationen ist einer der Schlüssel für Ihre demokratische Reife, denn nur auf dieser Grundlage kann man den Austausch und die Verständigung pflegen und sie stellt so das demokratische Fundament für staatliche Politik dar. Und Hamburg als Stadtstaat ist ein Beispiel für die Verbindung zwischen Information und öffentlicher Politik: ich denke an all das, was in den folgenden Bereichen bewegt wird: erneuerbare Energie, Empfang von Flüchtlingen, Stadtplanung, Inklusion, und so weiter.

In diesem Zusammenhang obliegt es mir, die Interessen Frankreichs zu schützen. Das ist ein grundlegender Auftrag eines Diplomaten. Sie werden mich fragen, ob die Interessen Frankreichs in Hamburg bedroht sind. Nicht dass ich wüsste. Aber wenn man genauer hinsieht, dann findet man doch einen Bereich, der Aufmerksamkeit verdient: die französische Sprache. Sprachunterricht und das Beherrschen der französischen Sprache sind in den letzten 15 Jahren stetig zurückgegangen. Das trifft auch für das Deutsche in Frankreich zu. Unsere beiden Länder haben also ein gemeinsames Interesse daran, sich einander gegenüber anspruchsvoll zu verhalten. Eine ganze Abteilung in der Französischen Botschaft in Berlin widmet ihre volle Arbeitskraft der Förderung der französischen Sprache in Deutschland, ebenso wie eine meiner Mitarbeiterinnen – unsere Sprachattachée in Hamburg, Chantal Junot. Aber an diesem Beispiel sehen Sie auch wie ungenau die Grenze zwischen unseren zu schützenden Interessen, der Förderung der Interessen und der Förderung der bilateralen Beziehungen ist. Alles gehört zusammen. Zumindest ist das meine Philosophie. Sie können nicht die französische Sprache schützen und fördern, wenn Sie nicht zugleich ihrem Partner zuhören, wenn Sie nicht dessen Anliegen verstehen, dessen Erwartungen, wenn Sie nicht die Anstrengungen kennen, die der andere unternimmt, um die französische Sprache zu fördern.

Ein gutes Mittel, um die französische Sprache und auch Frankreich zu fördern, ist selbstredend die Kultur. Und ich habe das Glück, als Direktor des Institut français in diesem Bereich aktiv sein zu können. Eine Verantwortung, die ich nur mit der vollen Unterstützung eines Teams ausüben kann. Diese ersten Monate in Hamburg erlaubten mir, einen in dieser Hinsicht anderen beruflichen Stil zu entdecken. Den der „Kulturmacher“, wie man so sagt. Dabei denke ich besonders an meine drei Mitarbeiter, die Sie alle kennen, und die ich hier namentlich nennen möchte, denn sie tragen das Kulturprogramm in der Heimhuder Straße 55: Jean-Pierre Ostertag, Sophie Udave und Brigitte Zinke.

In der Tat bin ich ein gemischter Konsul – zugleich offizieller Vertreter Frankreichs und Direktor eines Kulturinstituts. Diese besondere Aufgabenaufteilung ist das Resultat einer Umstrukturierung des französischen Netzwerks im Ausland. Frankreich wünscht, den sich entwickelnden Ländern mehr Mittel zur Verfügung zu stellen, und zugleich seine Präsenz in den wichtigen Weltmetropolen zu stärken. Dafür hat mein Land neue Strukturen geschaffen, die von administrativen und konsularischen Aufgaben befreit sind. Diese neuen Stellen können überwiegend kultureller, wirtschaftlicher oder politischer Natur sein. Sie haben sicherlich gemerkt, dass der Generalkonsul von Frankreich in Hamburg an allen Fronten kämpfen muss – während er zugleich für die Franzosen in Hamburg und Schleswig-Holstein zur Verfügung steht, vor allem, um die französischen Wahlen zu organisieren.
Diese schöne Vielseitigkeit habe ich in den ersten sechs Monaten seit Amtsantritt erfahren. Sie hilft mir dabei, auf den rechten Weg zurückzukommen, Sinn und Zweck meines Berufs wiederzufinden oder „elle me permet de retrouver le nord“.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.“

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