Prix Cluny 2015: Begrüßungsrede von Norbert Kremeyer

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,
liebe Frau Nienstedt,
Monsieur le Consul général,
Madame et Monsieur les conseillers consulaires,
Monsieur le Proviseur du Lycée Saint-Exupéry,
liebe Vertreter unserer Partnergesellschaften ‚abban’, ‚amicale’, ‚arabesques’, ‚Hambourg accueil’, ‚mon hambourg’,
liebe Preisträgerinnen,
liebe Cluny-Mitglieder und Freunde,

ich möchte Sie herzlich begrüßen zu dieser 9. Verleihung des Prix Cluny seit 2007 und zur Feier unseres 68. Geburtstages. Alles ist vorbereitet für einen Moment der Geselligkeit und der Vertiefung unserer Kontakte im Sinne der deutsch-französischen und europäischen Sache.

Insbesondere freue ich mich, dass Sie, Frau Bürgermeisterin, uns mit Ihrem Besuch beehren, zu uns sprechen und mit uns anstoßen wollen. Dies alles muss, wie ich höre, nicht unter Zeitdruck geschehen, so werden wir Gelegenheit haben, ein wenig unsere Arbeit vorzustellen und Sie mit Menschen bekannt zu machen, die diese Arbeit tragen. Herzlich willkommen also und merci d’être venu.

Mein Dank gilt auch wieder der Handelskammer Hamburg, liebenswürdig vertreten durch Frau Corinna Nienstedt, für ihre Gastfreundschaft und ihr vielfältiges Entgegenkommen bei allem, was diesen besonderen Moment des Cluny-Jahres betrifft. Welcher Ort in Hamburg wäre geeigneter, der Öffentlichkeit unser Eintreten für die deutsch-französische Sache vor Augen zu führen?

Und es gibt einige Akteure mehr, denen ich für ihre Mitwirkung herzlich danken möchte:

den Juroren des Prix Cluny,
dem Grundschulchor des Lycée Français unter der Leitung von Rémi Laversanne;
der Schüler-Band des Friedrich Ebert-Gymnasiums unter der Leitung von Lone Baumann;
dem comité d’activités unserer Gesellschaft Cluny;
den Rothenburgsorter Gourmetkindern, begleitet und angeleitet von Hermann Teiner, Nils Schmidt und Henriette Rahden.
Ja, liebe Gäste, Gourmetkinder: Kennen Sie eine Kurzformel, in der die Beweggründe für unser clunyazensisches Tun – Freude am Leben und Zukunftshoffnung – besser verschmelzen als in dieser deutsch-französischen Wortschöpfung?

Willkommen also zur Cluny-Geburtstagsfeier! Wir wollen aus diesem Anlass wieder junge Menschen in den Vordergrund rücken, die mit Hingabe und Optimismus an der Zukunft arbeiten, Durststrecken eingeschlossen. Im Abitur haben sie glänzende Ergebnisse vorzuweisen, viele Wege stehen ihnen offen, es fehlt ihnen nicht an Gründen, zuversichtlich nach vorne zu schauen, persönlich wie auch als Angehörige einer Gesellschaft, die sie mitgestalten wollen. Als Cluny-Preisträger setzen sie schon seit Jahren exemplarisch um, was unser Dachverband VDFG vor wenigen Wochen zum Motto seines Kongresses erhob: „Ohne Sprache kein Gespräch“.

Allerdings – wer die Sprache auf’s Gespräch bringt, kommt in diesen Tagen nicht umhin, an etwas ganz anderes zu denken, geradezu an das Gegenteil von Gespräch. Die Rede ist vom vorletzten Freitag.

So fest nämlich unsere Überzeugungen vom menschlichen Miteinander auch sind, so tiefgreifend sehen sie sich doch auf die Probe gestellt durch die Pariser Terrorakte vom 13. November – ein weiteres Mal und schmerzlicher noch als im Januar dieses Jahres 2015:

130 junge Menschen werden, während sie unbefangen und gut gelaunt das gerade beginnende Wochenende genießen, brutal und kaltblütig niedergestreckt im Namen von Gewissheiten, die sich unserem Verständnis, unserem Vorstellungsvermögen entziehen.

Was für eine Erschütterung! Was für eine Anmaßung! Hier kommt jedes Gespräch an seine Grenzen! Was gibt es noch auszutauschen, wenn Hass, Machtgelüste und nackte Konfrontation das Handeln bestimmen, wenn Angst und Verunsicherung jegliches Vertrauen untergraben?

Viele von Ihnen, liebe Freunde, waren vor einer Woche am Institut Français oder am letzten Mittwoch auf dem Domplatz dabei, als wir gegenüber unseren französischen Freunden zum Ausdruck brachten, wie sehr wir zusammen mit ihnen bestürzt, traurig, ratlos, zornig sind angesichts des Grauens, mit dem sie, mit dem wir konfrontiert sind. Können wir das verarbeiten, bewältigen, überwinden? Wer kann das sagen?

Heute, lieber Herr Generalkonsul, liebe conseillers consulaires, haben wir Clunyazenser das Bedürfnis, an Ihrer Seite zu stehen und noch einmal zu versichern, dass wir mit Ihnen fühlen, dass wir die Gefühle unserer französischen Freunde teilen, dass wir mit Ihnen gleichzeitig bedrückt und aufgebracht sind. Wir trauern um die Opfer des Pariser Attentate und sind in Gedanken bei ihren Angehörigen.

Ich möchte Sie bitten, meine Damen und Herren, sich zu einer Schweigeminute von den Plätzen zu erheben.

(…)

Ich danke Ihnen!

Ohne Sprache kein Gespräch, habe ich eben gesagt, und an diesem Merksatz wollen wir festhalten, darum sind wir hier! Und wir wollen uns nicht irre machen lassen in dem, was wir für wertvoll und erstrebenswert halten.

Während die große Politik sich anschickt, gegen den Terror zu mobilisieren – wir hören von Krisensitzungen, polizeilicher Aufklärungsarbeit, geheimdienstlicher Koordination, militärischen Operationen, unerwarteten Allianzen – während all dies also geschieht, bleibt uns selbst kaum mehr als unser zivilgesellschaftliches Engagement, die kleine Politik der noch kleineren Schritte. Schritte, die sicher nicht bis Syrien, in den Iran oder nach Zentralafrika reichen, aber in den deutsch-französischen Beziehungen haben sie sich bewährt.

Dazu nur zwei aktuelle Beispiele.

Hamburg unterhält ja bekanntlich eine Städtepartnerschaft mit Marseille, die auch uns Clunyazensern am Herzen liegt. Wir sind deshalb stolz, dass auf Betreiben von Gabriele Jabobsen und unseren Marseiller Freunden im Herbst dieses Jahres der inzwischen schon traditionelle Bürgeraustausch Hamburg-Marseille wieder stattfinden konnte, mit Besuch und Gegenbesuch. Nichts Spektakuläres, einfach ein kleines menschliches Miteinander, von dem alle schwärmen, die dabei waren – auch das Hamburg-Journal.

Genauso die junge Generation. Nehmen wir das Friedrich Ebert-Gymnasium, dessen Band heute für uns spielt. Ihre Kontakte zum Lycée Marcel Pagnol in Marseille pflegt diese Schule liebevoll, vor zwei Jahren in einem interdisziplinären Austausch, im vergangenen Jahr mit einem Kollegentreffen zur Ausarbeitung gemeinsamer Fach-Projekte. Anfang dieses Jahres gastierte in Harburg eine Marseiller Theatertruppe mit dem Stück ‚Les Naufragés’, und in diesem Schuljahr nahm auch die Ebert-Band selbst an einem Marseille-Projekt teil. Dies alles, ohne unbedingt AbiBac-Schule zu sein, aber durchaus mit einem anspruchsvollen Französisch-Profil. Kommuniziert wurde in vielen Registern: musikalisch, fremdsprachlich, gastronomisch, touristisch, sportlich. Der Gegenbesuch ist für das Frühjahr geplant, und ja, vermutlich kommt es wieder zu Gesprächen.

Die Preisträger von heute werden ähnliche Erfahrungen gemacht haben, und wie es scheint, wollen sie damit fortfahren.

Wie schön, dass wir – zumeist Senioren – sie heute darin bestärken können. Das meine ich nicht nur ideell, sondern auch ganz materiell, denn die 3. Preise sind, wie Sie wissen, jeweils dotiert mit einem kleinen Sümmchen zwischen 700 – 300 €. Wer also zur finanziellen Ausstattung des Prix Cluny beitragen will, hat dazu im 2. Teil des Abends reichlich Gelegenheit. Vielen Dank im Voraus!

>> Die Rede als Word-Dokument herunterladen

Dieser Beitrag wurde unter Revue abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.