Cluny Lecture : rencontre du 21 mai 2019

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Notre intérêt s’est porté sur deux romans de facture fort différente : Diên Biên Phù dont Ulla Eckford-Jones nous fait le compte rendu, et 1144 Livres présenté par Florence Duthil (cf. ci-dessous). Nous vous laissons en découvrir les résumés et espérons que leur lecture vous tentera.

La prochaine rencontre aura lieu le 16 juillet 2019, 15 heures, à l’hôtel Steigenberger. Helmut Meise nous présentera Je suis quelqu’un de Aminata Aidara, et Irène Drexel-Andrieu Rue du triomphe de Dov Hoenig.

DIÊN BIÊN PHÙ, 2018, Marc-Alexandre Oho, Sabine Wespieser, roman

Alexandre, un jeune Français, est parti en Indochine pour défendre son pays contre les communistes Viet Min mais aussi pour fuir un mariage de convention. La défaite de Dién Bién Phû sonne le glas de la guerre coloniale française en mars 1954. C’est à Hanoï, dans un bar où elle travaille, qu’il rencontre Mai Lan, la femme au visage lune. C’est l’amour fou entre eux, Mai Lan est la femme de sa vie.

Grièvement blessé, Alexandre est sauvé grâce à la bravoure d’un frère d’arme sénégalais, Alassane Diop, qui devient son meilleur ami. La guerre finie, Mai Lan retourne dans sa famille et Alexandre doit revenir en France où il retrouve sa femme et ses enfants. Il assume ses responsabilités mais il ne peut pas oublier Mai Lan. Vingt ans plus tard, il décide de quitter sa famille et de revenir au Vietnam pour retrouver son grand amour. Il s’installe en 1974 dans une famille vietnamienne, ouvre un restaurant, devient un journaliste reconnu dans la presse franco-vietnamienne.

Entretemps son ami Alassane est mort à Dakar au cours de la guerre d’indépendance du Sénégal. Reste son fils, prénommé Alassane Alexandre, qui se rend à Hanoï pour faire la connaissance de son parrain. La famille de cœur se recompose, Mai Lan reste néanmoins introuvable. Un jour une jeune femme au téléphone l’informe qu’elle aime bien ses chroniques dans Le Courrier du Viêtnam, elle ajoute qu’elle pense qu’il a bien connu sa mère…

Dans une langue remarquable de rythmes et de figures poétiques, l’auteur nous sensibilise au dialogue des cultures, à l’absurdité de la guerre, au sens de l’honneur et de la dignité, enfin à la recherche de soi-même. Il met en valeur l’amitié sincère entre un Blanc et un Noir.

Marc Alexandre Oho Bambe est un poète slameur camerounais né en 1976 à Douala. Son œuvre a déjà reçu des prix de poésie en 2014 et 2015, également le Prix Louis Guilloux en 2018.

1144 LIVRES, 2018, Jean Berthier, Robert Laffont, roman

C‘est l’histoire d’un homme, bibliothécaire de profession, dont nous n’apprendrons pas le nom. Un mystère tourne autour de lui depuis sa naissance. Il est en effet né sous X.

À l’âge adulte, il hérite de 1144 livres d‘une personne à la fois très proche de lui, même s’il n’a jamais fait sa connaissance, et dont il ne s’est jusqu’à présent jamais préoccupé : sa mère biologique. Il hésite à accepter l’héritage. À sa grande surprise, le passé le rattrape. Il ne peut s‘empêcher de se poser des questions et espère trouver des réponses grâce à cet héritage singulier qui pourrait lui permettre de dresser un portrait de sa mère. Le choix des romans rassemblés semble hétéroclite, il reflète finalement plus une époque que des goûts personnels. Le narrateur finit par accepter l’héritage et de devenir le fils spirituel de sa mère biologique.

Ce roman est touchant, agréable à lire et nous donne l’occasion de réfléchir sur notre rapport à la littérature – par exemple, la littérature nous permet-elle d’approfondir la vie ou nous en détourne-t-elle ? – ainsi que sur l’adoption, en particulier sur le lien qui nous unit fatalement à nos géniteurs, un lien que le héros finira par créer à sa façon avec sa mère, malgré beaucoup de résistances.

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Bericht über unsere Teilnahme an der Gedenkfeier zum 75. Jahrestag des Massakers in Maillé am 25. August 1944

Wir waren Teil einer zwölfköpfigen Delegation aus Deutschland, die sich aus Mitgliedern der Organisation Gegen Vergessen – für Demokratie und Pax Christi zusammensetzte. Als Mitglieder von Gegen Vergessen – für Demokratie waren wir vom Delegationsleiter (Vorstandsmitglied Prof. Dr. Friedhelm Boll, Bonn) gebeten worden, bei der diesjährigen Ausgestaltung unseres Besuchs in Maillé auch die DFG Hamburg Cluny zu vertreten, was wir nach Autorisierung durch den Cluny-Vorstand gern übernommen haben. Die Einladung der Delegation durch den Bürgermeister der Gemeinde Maillé, Bernard Eliaume, bezog sich zum 75. Jahrestag nicht nur auf die Teilnahme an der Gedächtnisfeier am Sonntag, dem 25. August, sondern erstreckte sich auf den nächsten Tag. Am Montag, 26. August, fand ein ganztätiger „Studientag“ statt, an dem neben dem Besuch der dortigen Gedenkstätte, die informativ und eindrucksvoll die Geschichte des Massakers dokumentiert, zum ersten Mal vor- und nachmittags Gespräche mit „Zeitzeugen“ des Massakers stattfinden sollten. Zum ersten Mal gab es, ganz offiziell, Gespräche zwischen Zeitzeugen des Massakers mit uns Deutschen. Es waren bewegende, von Tränen, Lächeln und Dankbarkeit begleitete Begegnungen, emotional herausfordernd für beide Seiten.

Am 25. August 2019 trafen wir in Maillé um 9 Uhr zur Messe in der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Kirche ein. Der Zugang zu dem kleinen Ort war für Fahrzeuge schon am Ortseingang gesperrt, so dass wir zusammen mit zahlreichen anderen Menschen, Alten, Jüngeren, auch Kindern, wie in einem sich formierenden Pilgerzug zu der im Ortsmittelpunkt liegenden Kirche wanderten. Der kleine Kirchenraum fasste die zahllose Menge nicht. Offenbar wurde der Gottesdienst auf den Vorplatz übertragen. Wir durften ganz vorn, unter den Ehrengästen, z. B. aus Oradour sur Glane Platz nehmen. Die würdige, schlichte Veranstaltung mit direkter Beteiligung der Gemeinde schloss mit dem Sakrament des Abendmahls.

Anschließend bewegte sich der Zug der Gottesdienstbesucher zum Friedhof, begleitet von vielen Fahnen und Transparenten, die eine Ahnung von der breiten Beteiligung aus verschiedenen Regionen Frankreichs, von Organisationen und Institutionen gaben. Auf der Begräbnisstätte der Ermordeten ist ein großer Grabstein errichtet, der Platz bietet, in alphabetischer Reihenfolge die Namen und das Alter aller Opfer aufzureihen, 124 Personen, darunter 43 Kinder. Das Jüngste war drei Monate alt. In einem sorgfältig vorbereiteten Ritual wurden alle Namen mit Altersangabe verlesen und danach die Delegationen aufgerufen, die an der Grabstätte Blumen niederlegten, darunter auch ein Vertreter der deutschen Botschaft in Paris. Neben Gegen Vergessen – für Demokratie und Pax Christi durften auch wir für Cluny Hamburg unser Blumengesteck zum Grabstein tragen. Auf unseren Schleifenenden standen außer dem Namen unserer Gesellschaft auf Französisch und Deutsch die Worte „Remords éternels“ und „Ewige Scham“. Am nächsten Tag sprach uns eine Gesprächspartnerin darauf an, wie sehr sie unsere Geste, unter dem Gedenkstein Blumen niederzulegen, gerührt habe. Im Laufe der zwei folgenden Tage hatten wir immer wieder Gelegenheit, Cluny vorzustellen, dabei auf unser Gründungsdatum, schon drei Jahre nach dem Massaker, hinzuweisen und Fragen zu beantworten, wie Cluny zu seinem Namen gekommen ist.

Barbara und Michael Vogel bei der Gedenkfeier zum 75. Jahrestag des Massakers in Maillé am 25. August 1944

Barbara und Michael Vogel bei der Gedenkfeier zum 75. Jahrestag des Massakers in Maillé

Im Garten des Rathauses schloss sich der politische Teil der Gedenkveranstaltung an. Zwei Reden würdigten das Leid der Opfer und der Hinterbliebenen, die ewige Trauer und die Verpflichtung für ein friedliches Miteinander der Völker, insbesondere auch der Nachbarn Frankreich und Deutschland: der Bürgermeister von Maillé und eine Staatsministerin aus der Hauptstadt. In beiden Reden wurden wir als Delegation aus Deutschland besonders begrüßt.

Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete ein déjeuner, bei dem wiederum der gastgebende Bürgermeister sprach als auch auch der Bürgermeister von Oradour, der mit einer großen Personengruppe teilnahm. Da das déjeuner sich über drei Stunden erstreckte, bestand für uns gute Gelegenheit für Gespräche mit den französischen Teilnehmern. Auch mehrere unserer Zeitzeugen konnten wir dabei schon kennen lernen, was einen guten Auftakt für die Zeitzeugengespräche setzte.

Am Montag früh folgte dann die „Premiere“ innerhalb der jährlichen Gedenkfeierlichkeiten zum Massaker des 25. August, unsere Gespräche mit Zeitzeugen. Diese hatten sich auf eine öffentlich ausgeschriebene Einladung des Bürgermeisters zu einer Begegnung mit der deutschen Delegation bereitgefunden. Zur Überraschung des Bürgermeisters war die Resonanz groß. Auch die regionale Presse reagierte positiv. Sie berichtete ausführlich über die Initiative zu den französisch-deutschen Gesprächen und befragte uns Teilnehmer nach unseren Erwartungen und Eindrücken. Da sich so viele Zeitzeugen gemeldet hatten, etwa zwanzig Personen, mussten wir uns nun in Gruppen aufteilen, um genug Zeit für die Einzelnen zu haben. Eine Premiere war es insofern, als in den Jahren zuvor nie derartige Treffen erwogen worden waren. Noch in den 1990er Jahren war es vorgekommen, dass deutsche Besucher, z. B. deutsche Autokennzeichen, in Maillé als unerwünscht behandelt worden waren. Der kleine Ort Maillé mit etwa 500 Einwohnern trug schwer an den grauenhaften Ereignissen des 25. August 1944 und fühlte sich allein gelassen mit seiner leidvollen Geschichte über sechs Jahrzehnte hinweg. Erst im Jahre 2008 nahm ein französischer Staatspräsident (es war Nicolas Sarkozy) an der Gedenkfeier teil. Die Erstmaligkeit der am Ort des Massakers geplanten deutsch-französischen Begegnungen machte auch uns unsicher und aufgeregt, zumal die Kenntnisse, die wir uns zur Vorbereitung unserer Reise angeeignet hatten, von einem Ausmaß an Barbarei zeugen, ob aus Rache-Akt verübt oder nicht, dass jeder Versuch, das Geschehen in eine verstehbare Handlung zu übersetzen, scheitert.

Am Morgen des 25. Augusts machten sich Angehörige einer Einheit der Waffen-SS auf den Weg und ermordeten in den Gehöften am Wegesrand und dann im Kern des Ortes systematisch alle Menschen, die sie in Häusern und Gärten, auf den Feldern und am Bahndamm der Strecke Paris – Bordeaux vorfanden. Ähnlich töteten sie auch alle Tiere auf der Weide und in den Ställen. Dort wo die Einheit durchzog, überlebten nur wenige, die ein Versteck gefunden hatten, das von den Mordenden übersehen wurde oder – wie der heutige Vorsitzende der Vereinigung Pour le Souvenir de Maillé, der heute 85jährige Serge Martin, der damals als Zehnjähriger zufällig bei den Großeltern in einem anderen Dorf weilte (im August waren Schulferien) und als einziges Familienmitglied übrigblieb. Nach dem Morden an den Lebewesen zerstörten Brandbomben und Granaten die Häuser und Ställe. Mittags war alles zu Ende. 124 Menschen, davon 43 Kinder waren bestialisch umgebracht worden.

Monsieur Martin, erhielt im vorigen Jahr das Bundesverdienstkreuz. Damit wurde sein bewundernswertes Eintreten und Wirken für deutsch-französische Begegnungen gewürdigt. Seit zehn Jahren hat er den jährlichen Besuch einer von der Vereinigung Alpha (Wuppertal) betreuten Jugendgruppe begleitet und sie regelmäßig durch die Ausstellung in der Gedenkstätte geführt. Diese Begegnungen gaben der Ortsöffentlichkeit ein Beispiel für die Chancen der deutsch-französischen Zusammenarbeit, machten Mut zu einem Treffen deutscher Gäste mit den Zeitzeugen Maillés und ebneten den Weg zu unseren diesjährigen Gesprächen mit den Zeitzeugen.

Unsere Kenntnis der Mordaktionen und ihrer unerbittlichen Reihenfolge verdanken wir wesentlich den akribischen Rekonstruktionen der Vorgänge durch den geistlichen Seelsorger der Gemeinde Maillé Abbé André Payon, der sogleich (teilweise unter den Augen der deutschen Besatzung) mit seinen Gängen durch das zerstörte Maillé begann und an der Bergung und Identifikation der durch die verheerenden Brände oft stark verstümmelten Leichen beteiligt war. Abbé Payon verfasste eine Bestandsaufnahme, 1945 erstmalig erschienen, bewusst sachlich, bewusst Emotionen, zumeist, zurückhaltend, wodurch das Geschehen umso unfassbarer wird. Im Jahre 2008 erschien die Broschüre erstmals in deutscher Übersetzung. Unfassbar als einzelnes Geschehen, erkennt man in den barbarischen Vorgängen in Maillé doch eine weitere Dimension, weil es historisch eingeordnet werden muss in eine Reihe von ähnlich durchgeführten Massakern in anderen Orten in Frankreich und in Italien, um gar nicht von dem Geschehen auf den Kriegsschauplätzen in Osteuropa zu reden, für die schon lange der Begriff „Vernichtungskrieg“ verwendet wird.

Nach Kriegsende gab es Hilfsaktionen. Insbesondere das Ehepaar Hale aus den USA engagierte sich 1948/49 für die zu Waisen gewordenen Kinder. Sie übernahmen deren Patenschaft. Aber dann schlief bald das Interesse an den schrecklichen Tag ein. In Maillé wurden die Häuser neu erbaut. An der Stelle, an der in dem Café des Orts mehrere Menschen getötet wurden, steht heute die Gedenkstätte. In Bordeaux fanden in den Jahren 1952/53 Gerichtsprozesse statt, die Verbrechen in Oradour und Maillé betreffend. Sie endeten für Maillé ergebnislos, weil sie in Abwesenheit der Angeklagten stattfanden, indem aus der Bundesrepublik niemand überstellt wurde. Mindestens ein Täter war in Bordeaux namhaft gemacht und zum Tode verurteilt worden: Gustav Schlüter. Er soll 1965 in Hamburg (!!!) gestorben sein. Eigene juristische Ermittlungen in der Bundesrepublik unterblieben. Ein ernsthafter Versuch in Deutschland, die Verbrechen aufzuklären, datiert aus dem Jahre 2003, als von der NRW-Zentralstelle zur Aufklärung der Nationalsozialistischen Massenverbrechen Ermittlungen aufgenommen wurden; 2008 recherchierte ein Staatsanwalt eine Woche lang in Maillé und in Tours. Sechzig Jahre nach dem Geschehen waren die Aussichten, noch lebende Tatverdächtige ausfindig zu machen, allerdings gering. Dennoch wurden die Ermittlungen erst 2017 eingestellt.

Die Fragen, die wir in unserer Delegation über die Gründe des langen Schweigens uns stellten, sind nicht leicht befriedigend zu beantworten. Sie sind überhaupt nicht voll überzeugend zu beantworten. Ein wesentlicher Faktor ist gewiss die Gleichzeitigkeit sehr verschiedener Ereignisse: Während des Mordens in Maillé, am 25. August 1944, kapitulierte in Paris der deutsche Stadtkommandant und am 26. August zog General de Gaulle über die Champs Elysées in Paris ein. Der 25. August, die Befreiung von Paris, ist in der französischen Erinnerungskultur mit höchster Begeisterung und Stolz besetzt. Als Symbol für deutsche Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung, steht die Stadt Oradour sur Glane, im Juni 1944 fast vollständig zerstört. Dort sind die Ruinen als Mahnung an die Verbrechen erhalten geblieben. Es gab kaum Überlebende, die traumatische Erinnerungen bis in die Gegenwart tragen können.

Das Bewusstsein, dass das Kriegsverbrechen in Maillé ungesühnt geblieben ist, quälte uns bei der Verabredung mit den Zeitzeugen, die das Massaker überlebt hatten oder die der nach dem Massaker geborenen Generation, angehören. Die Gespräche lenkten unsere Aufmerksamkeit dann verstärkt auf eine andere traumatische Erfahrung, die alle Zeitzeugen belastete. Es ist das sechs Jahrzehnte umfassende kollektive Vergessen des Geschehens in der Welt außerhalb Maillés, die Frage, warum sich niemand für das, was sich in Maillé am 25. August ereignet hatte, interessierte oder zu interessieren schien. Diese schwärende Wunde trug offensichtlich dazu bei, dass jetzt unsere Fragen nach ihren Erlebnissen und unsere Anteilnahme an ihrem Schicksal mit so großer Bereitwilligkeit angenommen wurden und manchmal Schleusen der Schilderung lange zurückgehaltener Erinnerungen zu öffnen schienen. Die Offenheit, die uns entgegengebracht wurde und die wir so dankbar aufnahmen, darf nicht außer Acht lassen, dass die Menschen, die sich zu einem Treffen mit Deutschen gemeldet hatten, zu denen gehören, die ihren Hass auf die Nachkommen der Täter überwunden haben. Manche, nicht alle, thematisierten ihre lange und bitter empfundenen Hassgefühle, ihre Unfähigkeit, mit Deutschen zu reden, meistens ohne zu erklären, warum sie heute anders denken.

Wegen des überraschend regen Interesses an dem Treffen von Zeitzeugen mit uns Gästen aus Deutschland mussten für die Gespräche Gruppen gebildet werden. Die eine Gruppe umfasste Frauen und Männer, die das Massaker als kleine Kinder – zwischen zwei und elf Jahre alt – überlebt haben, jedoch Eltern oder ein Elternteil und Geschwister verloren hatten. Zur anderen Gruppe zählte die „Generation der Kinder“, d. h. bald nach dem Krieg Geborene. Auch sie hatten oft Eltern oder ältere Geschwister durch das Massaker verloren. Beide Gruppen berichteten davon, wie es ihnen gelingen musste und wie schwer es war, sich „danach“, im Alltagsleben, in der zertrümmerten Welt ihres kleinen Ortes, zurecht zu finden. Mit der ersten Gruppe haben wir, uns ebenfalls aufteilend, jeweils in kleiner Runde gesprochen. Als wir, unsere Delegation, uns später über das Gehörte austauschten, erwies sich, dass bei aller Vielfalt der Gesprächsteilnehmer im Einzelnen, ihrer Temperamente und Lebenserfahrungen, übereinstimmend die Auswirkungen des entsetzlichen 25. August ihre Biographien und ihre Lebenseinstellung bis heute tief geprägt, manchmal aus der Bahn geworfen haben. Das Gespräch mit der „Generation der Kinder“ hatte einen etwas anderen Charakter, weil als Folge der knappen zur Verfügung stehenden Zeit nur zwei Personen von uns mit der gesamten acht Personen zählenden Gruppe zusammensaßen und außerdem der Leiter der Gedenkstätte dabei war. Die Voraussetzung für eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre war deshalb geringer. Es kam mehr zu einem Austausch über den angemessenen Umgang mit dem Kriegsverbrechen, mit seinen Opfern und den Nachgeborenen. Hin und wieder flackerten unter unseren Gesprächspartnern kleine Kontroversen auf, die Spannungen ahnen ließen: Meinungsverschiedenheiten, wie sie innerhalb eines Kreises engagierter Personen, die sich für die Bewahrung und Sicherung des Gedenkens an das Massaker am 25. August 1944 einsetzen, unausbleiblich sind. Für uns Gäste aus Deutschland bestätigte diese Gesprächsrunde vielleicht gerade deshalb die nachdrückliche deutsche Verpflichtung, Maillé als Ort der Erinnerung an ein schreckliches nationalsozialistisches Kriegsverbrechen zu unterstützen.

Die beiden Tage hatte bei uns allen zahlreiche Gefühle, der Scham, Trauer, Herzlichkeit und der Dankbarkeit, aufgewühlt, so dass eine Einladung des Bürgermeisters zum abschließenden Abendessen eine wunderbare Gelegenheit schuf, unsere Eindrücke zu sammeln, eine erste vorsichtige Bilanz zu ziehen und auf die Fortsetzung und Vertiefung der deutsch-französischen Zusammenarbeit zu setzen. Nicht nur nebenbei genossen wir die französische Gastfreundschaft und Gastlichkeit.

Einer ehrenvollen Bitte des Bürgermeisters folgend trugen wir uns an diesem Abschiedsabend in das Goldene Buch Maillés ein. Das von uns ausgewählte Zitat aus einer Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier möchten wir als unsere besondere Verpflichtung als Deutsche verstanden wissen. Das Zitat steht in Steinmeiers Rede in dem kleinen italienischen Ort Fivizzano, die er am 25. August 2019 hielt dort, wo 75 Jahre zuvor ein Massaker der Waffen-SS unter der Bevölkerung gewütet hatte. Steinmeier hielt seine Rede in italienischer Sprache. Wir übersetzten sein Zitat hier in Maillé ins Französische. Auf Deutsch heißt es:

Unsere Verantwortung ist es, eine gemeinsame Erinnerungskultur zu schaffen und das Wissen in die nächsten Generationen weiterzugeben, für eine bessere Zukunft in einem geeinten Europa.

Barbara und Michael Vogel

Gedenkfeier zum 75. Jahrestag des Massakers in Maillé am 25. August 1944

 

 

 

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Cluny Dames – Programm

Montag, 30.09.2019 – 11 Uhr 30
Causerie/Plauderstunde im Momentum, Kaiserkai 10
Anmeldung bis 23.9. bei Annegret

Dienstag, 15.10.2019 – 11 Uhr 
Wedel – Ernst Barlach Museum – Ausstellung „Karl Lagerfeld Visions“
Eintritt: 6 € p.P. für Gruppen – Führung: 120 €, für max. 20 P.
S1 bis Wedel, kurzer Fußweg oder 1 Station Bus 489, 589 oder 594 bis „Roland“
Anschließend Stärkung im Lokal wird noch angegeben
Erforderliche Anmeldung bis 7.10. bei Annegret

Donnerstag 21.11.2019 – 11 Uhr 30
Causerie/Plauderstunde im Alsterarkadencafé
Anmeldung bis 14.11. bei Annegret

Donnerstag, 12.12.2019 – 15 Uhr bis 17 Uhr 30
Der DK lädt ein zum Adventscafé im Röperhof
Agatha-Lasch-Weg 2 – Bus 15 bis „Agatha-Lasch-Weg“, 100 m  zu Fuß
Der Röperhof empfängt uns in gepflegter gemütlicher Ambiante mit einem Sekt, méthode traditionnelle, diverse Däfte, Wasser, Kuchenbuffet….bitte mit Sahne, diverse Kaffeespezialitäten, Tee und Schokolade.
Anmeldung  bis 2.12. bei Marie
Den Preis von 25 € inkl. Trinkgeld bitte bei Marie im Vorwege bezahlen, am liebsten bar.

Mit herzlichen Grüssen,
von Annegret Fascher und Marie Herford

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Rundschreiben 2/2019

Chères Clunisiennes, chers Clunisiens,

Vive la rentrée ! J’espère que vous avez passé un bel été.

Als neue Vorsitzende der Cluny-Gesellschaft freue ich mich, Ihnen in diesem Rundschreiben einige wichtige Mitteilungen über personelle Veränderungen in der Cluny-Gesellschaft machen zu können.
Zu allererst möchte ich Norbert Kremeyer für seine erfolgreiche Tätigkeit als Vorsitzender in den letzten fünf Jahren herzlich danken. Er hat viel dazu beigetragen, dass die öffentliche Anerkennung der Cluny-Gesellschaft noch sichtbarer geworden ist. In Politik, Publizistik und im Kulturbereich hat er sich für die Stärkung der deutsch-französischen Beziehungen eingesetzt und gezeigt, welch hohen Stellenwert Cluny in diesem Kontext in Hamburg hat. Norbert Kremeyer bleibt der Gesellschaft als Vorstandsmitglied erhalten.

Ich trete als neue Vorsitzende in große Fußstapfen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit allen Mitgliedern. Dazu brauche ich Ihre Unterstützung, damit sich die Cluny-Gesellschaft weiterentwickelt und vor allem neue Mitglieder hinzugewinnt.
Mit Christiane Severin, die in den letzten Jahren in der Leitung des Büro II des Bevollmächtigten für die kulturelle Zusammenarbeit in der Hamburger Senatskanzlei gearbeitet hat, haben wir ein neues Vorstandsmitglied gewinnen können, das zukunftsweisende Impulse in die Arbeit bringt. Sie hat von Gabriele Jacobsen die Funktion der Schriftführerin übernommen. Frau Jacobsen hat diese Aufgabe zehn Jahre lang ausgefüllt. Für den großen Einsatz bei dieser Tätigkeit möchte ich mich ausdrücklich bedanken. Unzählige Protokolle hat sie in diesem Rahmen geschrieben.
Auch bei DFG-Cluny-Dames gibt es eine Veränderung: Helena Paetow-Stiegen gibt die Leitung nach überaus erfolgreicher Arbeit ab. Herzlichen Dank für den unermüdlichen und kreativen Einsatz. Ab 20. September 2019 wird Annegret Fascher die Leitung von DFG-Cluny-Dames übernehmen.

Es ist tatsächlich ein Jahr der Veränderung in der Cluny-Gesellschaft. Denn auch unsere alljährliche Geburtstagsfeier, in deren Rahmen jeweils der Prix Cluny übergeben wird, findet an einem neuen Ort statt. Im Rolf-Liebermann-Studio des NDR in der Oberstraße 120 wird die Zeremonie in diesem Jahr am 9. November um 17.00 Uhr gefeiert. Bitte merken Sie sich den neuen Ort und den frühen Termin bereits vor. Dem NDR sei herzlich dafür gedankt, dass er uns den „großen Sendesaal“ zur Verfügung stellt.
Die alljährliche Weihnachtsfeier bietet ebenfalls eine Neuerung. Wir treffen uns am 1. Dezember 2019, dem ersten Adventssonntag, ab 11.00 Uhr zu einem ausführlichen Brunch im Restaurant T.R.U.D.E. in der Maurienstraße 13-15 in Hamburg-Barmbek.
Unsere nächste Veranstaltung findet als Matinée am 22. September 2019 um 12.00 Uhr im Warburg-Haus statt: David Blankenstein, T.U. Berlin: Alexander von Humboldt in Paris.
Auf die Veranstaltung im Oktober sei ebenfalls bereits hingewiesen:
Völkermord in Ruanda 1994: Dafroza und Alain Gauthier berichten über die umstrittene Strafverfolgung in Frankreich (siehe Anlage).


Sonntag, 22.September 2019, 12 Uhr
Alexander von Humboldt in Paris
Vortrag von David  Blankenstein (TU Berlin)
Kurator (mit Bénédicte Savoy) der Ausstellung Les frères Humboldt. L’Europe de l’esprit im Observatoire de Paris
Warburg Haus Hamburg, Heilwigstraße 116


Völkermord in Ruanda 1994

Donnerstag, 31.Oktober 2019, 19 Uhr
Völkermord in Ruanda 1994
Dafroza und Alain Gauthier berichten über die umstrittene Strafverfolgung in Frankreich
Warburg Haus Hamburg, Heilwigstraße 116


Weitere Veranstaltungen der Cluny-Gesellschaft entnehmen Sie bitte der Homepage www.cluny.de.

Schatzmeister und Kassenwart wenden sich heute mit dem Cluny-Beitragsschreiben an Sie, ich bitte um freundliche Beachtung!

Abschließend noch eine Bitte:
Sprechen Sie im Freundes- und Bekanntenkreis über die Arbeit der deutsch-französischen Gesellschaft. Weisen Sie auf unsere Veranstaltungen hin. Die deutsch-französische Zusammenarbeit ist angesichts der politischen Entwicklungen in Europa wichtiger denn je. Wir können in Hamburg als Cluny-Mitglieder unseren Beitrag dazu leisten. Eine Mitgliedschaft bei Cluny lohnt sich.

 

Bien cordialement
Irène Drexel-Andrieu

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Alexander von Humboldt in Paris

Alexander von Humboldt in Paris
David Blankenstein (TU Berlin)

Vortrag im Warburg-Haus
Heilwigstraße 116, 20249 Hamburg
Sonntag, 22. September 2019 um 12 Uhr

Alexander von Humboldt war ein Pariser durch und durch. Etwa 25 seiner produktivsten Jahre verbrachte er dort, publizierte in französischer Sprache und engagierte sich wissenschaftlich, politisch und kulturell in und für die Hauptstadt Frankreichs. Seine Beziehungen zu französischen Intellektuellen und Wissenschaftlern erzählen Bände über ein (meist) inniges Verhältnis zum Nachbarland. Aber die Suche nach der Verbindung Humboldts zu Frankreich und seiner Hauptstadt hört nicht bei Menschen auf, sie ist auch eine Geschichte von Vermessungen, Sammlungen und schlaflosen Nächten… Einladung herunterladen

  • Verre de l’amitié im Anschluss
  • Eintritt frei, um Spenden wird gebeten
  • Wir bitten um Anmeldung per Mail oder Telefon bis spätestens Mittwoch, 18 September 2019 in der Cluny-Geschäftsstelle
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Cluny Jeunes Kick-Off : C’est parti! // Los geht’s!

Am 20.5.2019 traf Cluny Jeunes im Gästehaus der Universität Hamburg zu unserem Kick-Off Event! Die Gäste, eine Gruppe aus 30 Leuten, setzte sich zusammen aus Studenten der zahlreichen Unis in Hamburg und Lüneburg. Auch der deutsch-französische-Jugendausschuss war vertreten. Durch verschiedene Kennenlernspiele, Poster-Stationen und Siméons Können am DJ-Pult wurden sichtlich neue Freundschaften gebildet und ein wildes Gequassel aus Deutsch und Französisch, ob Muttersprache oder nicht, füllte den Raum. Es war ein sehr abwechslungsreicher Montagabend.

Du hast Lust, nächstes Mal dabei zu sein? Schreib eine E-Mail an clunyjeuneshh@gmail.com !

***

Cluny-Jeunes s’est retrouvé le lundi 20 mai dans le Gästehaus de l’UHH pour une réception de nos membres actuels et futurs. Le groupe de 30 personnes était composé d’étudiants de différentes universités de Hambourg et Lüneburg, même le DFJA était représenté !

Grâce aux jeux de rencontre, aux boissons et à notre DJ Siméon, l’ambiance était superbe, les langues se sont mélangées et de nouvelles amitiés se sont créés. Quel beau lundi soir !

Tu veux d’être de la partie la prochaine fois ? Envoye un e-mail à clunyjeuneshh@gmail.com !

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Cluny Jeunes: Kick-off am Montag, 20. Mai

Du hast Lust, neue Leute kennenzulernen? Veranstaltungen rund um Kultur, Politik und Sprachen/Geschichte zu besuchen? Deine Französisch- oder Deutschkenntnisse zu verbessern? Den Kulturen beider Ländern näherzukommen?

Dann komm zum CLUNY JEUNES Kick-off am 20. Mai um 19:30 Uhr im Gästehaus der Universität!

Plätze limitiert, Anmeldung unter
clunyjeuneshh@gmail.com

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Cluny Lectures : rencontre du 16 avril 2019

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La deuxième rencontre de Cluny Lectures en 2019 a été marquée par la tragédie de l’incendie de Notre-Dame de Paris qui a eu lieu la veille. Édifice à la fois religieux et patrimonial, Notre-Dame est liée à l’Histoire de la France et de l’Europe, à chacun de nous donc. Elle représente le cœur de Paris, le cœur de la France, tant immatériellement que matériellement : le point de départ des quatorze routes nationales françaises est situé sur le parvis de Notre-Dame. C’est le point « zéro kilomètre », le début de la route, aussi de celle qu’Emmanuel Macron vient d’ouvrir en annonçant la reconstruction de la cathédrale.

Nous avons ensuite examiné deux romans à la fois dissemblables et proches. L’un parlant d’une révolte de paysans et d’ouvriers opprimés dans l’Angleterre du Moyen-Âge (cf. infra le compte rendu critique de Hubert Depenbusch sur Et j’abattrai l’arrogance des tyrans), l’autre de l’impasse économique et culturel dans lequel se trouvent les Français d’en bas au 21e siècle (cf. L’Été circulaire, compte rendu critique de Maryse Vincent). Deux romans qui ne sont pas s’en rappeler la révolte des gilets jaunes qui sévit en France depuis novembre 2018.

La prochaine rencontre aura lieu le 21 mai 2019, 15 heures, à l’hôtel Steigenberger. Florence Duthil nous présentera 1144 Livres de Jean Berthier, et Ulla Eckford-Jones Diên Biên Phù de Marc-Alexandre Oho.


ET J’ABATTRAI L’ARROGANCE DES TYRANS,2018,

Marie-Fleur Albecker, Aux Forges de Vulcain, roman

Marie-Fleur Albecker est née en 1981. Après des études d’histoire et de géographie à l’École Normale Supérieure de Paris, elle enseigne l’histoire et la géographie dans un lycée. En préparant un cours pour ses élèves sur le Moyen Âge anglais, l’auteure a découvert son thème : La Révolte des paysans de 1381, la première révolte occidentale. Dans le roman se côtoient des personnages historiques (John Wyclif, précurseur du protestantisme, Wat Tyler, grand chef de guerre, John Ball, prêtre vagabond demandant l’égalité des hommes) et des personnages fictifs, dont l’héroïne, Johanna Ferrour, une Jeanne d’Arc athée.

L’action se déroule pendant la Guerre de Cent ans entre la France et l’Angleterre. Le royaume d’Angleterre est ruiné par la guerre et la peste noire. Quand le roi d’Angleterre décide d’augmenter les impôts, les paysans se rebellent. Johanna participe aux réunions des paysans sans oser cependant prendre la parole. Elle se joint à leur marche vers Londres pour réclamer plus d’égalité, pas seulement entre les nobles et les paysans, les hommes libres et les serfs, mais surtout entre les hommes et les femmes, bien qu’elle ait accepté que le sexe soit une des « tâches ménagères ». Ils avancent, ils détruisent mais ne pillent pas. Leurs causes sont la liberté, la justice, l’humanité, la beauté l’espérance, pas l’enrichissement. Le roman nous parle de révolte, pas de révolution. Ni le roi, ni Dieu ne sont remis en cause. Les révoltés se voient comme « les soldats du Christ ». Les citations et exemples empruntés à la Bible ou aux Évangiles foisonnent. Le titre est une phrase du prophète Esaïe qui fait parler Dieu dans un verset de la Bible.

L’anachronisme du langage est un procédé stylistique dont se sert l’auteure pour souligner l’universalité des aspirations humaines et des réponses apportées à l’oppression. L’ironie, voire l’outrance, est un autre procédé permettant à Marie-Fleur Albecker d’exprimer son pessimisme et son amertume au sujet de la condition des femmes, au 14e comme au 21e siècles. Le récit historique lui permet d’ouvrir des perspectives sur notre époque, autant sur l’émancipation féminine que sur la corruption des dirigeants.


L’ÉTÉ CIRCULAIRE, 2018, Marion Brunet, Albin Michel, roman

Marion Brunet nous brosse le portrait de la population d’une petite ville du Vaucluse (tendance politique de droite et d’extrême-droite), plus précisément du Lubéron, région célèbre pour ses maisons secondaires restaurées par de riches parisiens et Anglais, concrètement par des artisans locaux, dont Manuel, le père des deux héroïnes, et Patrick, son meilleur copain.

Céline a 16 ans, elle est enceinte et refuse de donner le nom du père de l’enfant. Céline ne fait que dupliquer l’histoire de sa mère, à la différence que Manuel a épousé Séverine. Manuel est Espagnol de deuxième génération et déteste les étrangers, ses propres origines inclues. Mais on trouve toujours plus mal lotis à mépriser : les gitans, les arabes et les filles qui tombent enceintes. Manuel gagne tout juste sa vie comme maçon. Séverine est mère démissionnaire depuis longtemps. Le jour de l’accouchement, c’est la sœur cadette qui assistera la grande, les parents étant injoignables. Séverine est femme à tout faire à l’école municipale. Ils ne sont pas pauvres mais tirent le diable par la queue. Ils envient la moindre miette de mieux vivre qu’ils voient autour d’eux, que ce soient les économies des beaux-parents, la voiture du jeune voisin arabe ou pire, les riches vacanciers. Enfants comme parents s’adonnent à l’alcool et au sexe depuis l’âge de quatorze ans. La violence est leur langage, ils n’ont pas les mots pour exprimer leur détresse. Le manque d’éducation récurrent, le poids de l’héritage familial conduisent, littéralement, à la reproduction sociale. Alors qu’ils sont déjà déclassés, ils craignent le déclassement social, dans leur cas induit par la grossesse de Céline « fille mère ». La honte des parents va engendrer une escalade de violence.

Le quotidien de la France d’en bas est fait de fêtes foraines, de virées au centre commercial, d’apéro entre voisins, de petits trafics et d’intrusions nocturnes dans les piscines des riches. Les ados comme les parents tournent en rond, d’où le titre. « Circulaire » également car l’action débute par la fête foraine en début d’été et se termine un an plus tard lors de la même fête foraine.

À la croisée du roman d’initiation et du polar sociétal, le roman est empreint de violence psychologique, physique, verbale. L’auteure porte un regard aigu et sans concession sur l’intimité d’une famille hargneuse – substrat des gilets jaunes ? – à la fois victime et responsable de son sort.

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Adieu liberté – Wie mein Frankreich verschwand

Lesung und Diskussion mit der Autorin Romy Straßenburg In Kooperation mit dem Club d’Affaires Franco-Allemand de Hambourg

Montag, 29. April, 19 Uhr
Warburg Haus Hamburg, Heilwigstraße 116

Die Partygäste am 9. November sind Zeitungs- und Fernsehleute, Käsehändler, Forscher, Regierungsberater, Lehrer, Fotografen, freischwebende Intellektuelle, Sinnsucher, meist Ü30. Gastgeberin ist Romy Straßenburg, die seit gut zehn Jahren als Journalistin in Paris lebt und mit Freunden den Fall der Berliner Mauer feiert, denn „ohne den Mauerfall hätte ich Paris, Frankreich und Europa nie kennengelernt“. Zu essen gibt es Buletten, Soljanka und Compté.

In ihrem Buch „Adieu liberté – Wie mein Frankreich verschwand“ (Berlin 2019) geht Straßenburg von der schillernden Schar ihrer Gäste aus, um über ein Leben als freie Journalistin zu berichten und drängende Themen abzuhandeln – beinahe im Plauderton, mal ernst, mal heiter, atmosphärisch dicht, oft selbstironisch, immer nachdenklich und gewissenhaft… Einladung herunterladen

  • Anmeldung in der Cluny-Geschäftsstelle bis zum 25. April 2019.
  • Verre de l’amitié im Anschluss
  • Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
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Début de saison chez Cluny Lectures

Compte rendu de la rencontre du 19 mars 2019

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Cluny Lectures a commencé sa nouvelle saison de lecture de premiers romans le 19 mars 2019 dans un cadre bien hambourgeois, l’hôtel Steigenberger, qui nous accueille à Heiligengeistbrücke, vue sur un canal et ses mouettes inclue. Nous avons aussi le plaisir de compter un nouveau membre, Renate Wolf, dont la photo sera ajoutée à notre galerie de portraits lors de notre prochaine édition.

Alors que la littérature contemporaine foisonne de récits rapportant des relations entre une fille et une mère, nous avons examiné deux romans se penchant sur la relation entre un père et son fils. Pour être plus exact, dans Le Chien de Schrödinger dont nous a parlé Ute Budelmann, c’est un père qui nous expose son amour infini pour son fils ; et dans Apprendre à lire, présenté par Marie Herford, c’est le fils qui tente de gérer une relation conflictuelle avec son père. Vous pouvez en apprendre plus en consultant les deux comptes rendus critiques ci-dessous.

La prochaine rencontre aura lieu le 16 avril 2019, 15 heures, même adresse. Hubert Depenbusch nous présentera Et j’abattrai l’arrogance des tyrans de Marie-Fleur Albecker, et Maryse Vincent L’Été circulaire de Marion Brunet.


LE CHIEN DE SCHRÖDINGER, 2018, Martin Dumont, Delcourt, roman

Jean a élevé son fils seul à la suite du décès de sa femme morte dans un accident dont les circonstances non-éclairées le hantent. Était-ce un accident ou un suicide ? Pour ne pas perdre une miette de son fils, il devient chauffeur de taxi de nuit. Il s’occupe de Pierre le jour, il lui transmet aussi son goût pour la plongée sous-marine. Ensemble ils descendent dans les profondeurs de l’océan où ils se surveillent mutuellement. Âgé de vingt ans maintenant, Pierre est étudiant en biologie, mais il aime par-dessus tout écrire. Les signes de fatigue et de malaise s’accumulent, le verdict tombe : Pierre a un cancer incurable du pancréas. Jean culpabilise. Pourquoi n’a-t-il pas vu venir la maladie ?

Malgré la dureté du traitement, Pierre continue de travailler à son premier roman. Ce projet lui donne un but, lui permet de s’évader. Le livre achevé, il demande à son père de l’envoyer à des éditeurs qui tous refusent ou ignorent le manuscrit. Jean entreprend alors un voyage à Paris pour présenter lui-même le roman dans le monde de l’édition qui lui est étranger et qui l’intimide. Pierre est possédé par son rêve de publication. Pour lui offrir ce bonheur, Jean imagine une ruse : il met en scène une fausse éditrice prête à publier l’œuvre. Mentir à un malade, est-ce lui offrir ce que la vie lui refuse ou bien déjà ne plus le compter parmi les vivants ? De quoi cela dépend-il ? Avant tout du point de vue. La maladie s’aggrave, Pierre est moribond. Jean passe la dernière nuit à raconter à son fils sa vie comme elle aurait pu se dérouler, quel écrivain il est devenu…. Encore des mensonges ou des rêveries consolantes ? Jean a trahi la vérité mais trouvé finalement sa paix. De même avec la mort de sa femme puisque la vérité est morte avec elle. Comme il n’y a que des suppositions sur sa mort, on peut choisir quelle est la vérité.

Le titre du roman se réfère à des expériences de pensée que le physicien autrichien Ernst Schrödinger a faites en 1935 pour expliquer les paradoxes de la physique quantique. Dans l’expérience, on considère un chat comme en même temps mort et vivant – à l’instar de Pierre, destiné à mourir mais encore matériellement vivant. Le paradoxe de Schrödinger est une manière de résoudre un problème en utilisant l’imagination humaine quand les conditions expérimentales ne sont pas réalisables. Jean n’aime pas les chats, alors il imagine l’expérience avec un chien.

Le Chien de Schrödinger est un roman court au contenu dense. L’auteur ouvre des perspectives philosophiques dans une langue claire et simple. Les mots sont justes, les sentiments forts, pleins de pudeur, de douceur et de violence.


APPRENDRE À LIRE, Sébastien Ministru, 2018, Grasset, roman

Le titre de ce roman prête à confusion, il signifie à la fois l’apprentissage et l’enseignement de la lecture, et c’est ce dont il s’agit. C’est un roman où les hommes tiennent le devant de la scène. Il y a le fils, Antoine, la soixantaine, patron de presse, qui s’occupe de son père, un veuf acariâtre et bourru, âgé de 83 ans. Ce dernier a commencé sa vie comme enfant berger à 6 ans, seul dans les montagnes sardes, puis a été enfermé le reste de sa vie au fond d’une mine à charbon en Belgique. Il est analphabète, et à l’âge où on commence à tout oublier, il n’a plus qu’un désir : apprendre à lire. « Si tu avais été un vrai fils, tu m’aurais déjà appris. » Les raisons n’en sont pas clairement exprimées mais « peut-être que lire ça fait mourir moins vite » ou par crainte d’un au-delà imaginé comme seulement accessible aux gens instruits.

La didactique des langues est une science qu’Antoine ne maîtrise pas. Il délègue la tâche à Ron, l’amant d’un jour à l’enfance fabulée, qui mute en petit-fils indispensable. Ron réussit non seulement à inculquer au vieil homme quelques rudiments de lecture et d’écriture mais il se fait aussi aide-ménagère et fée du logis. La relation entre Antoine et son père a toujours été difficile, la présence bienveillante de Ron débloque la communication. Les dialogues sont pleins d’humour, parfois attendrissants.

Les femmes apparaissent peu dans ce roman mais n’en sont pas moins présentes. La mère est morte jeune, laissant le mari et le fils désemparés. Elle a été remplacée par une prostituée pour laquelle ni le père ni le fils n’éprouvent de sentiments chaleureux mais qui a cependant une fonction fondamentale : c’est elle qui lit au père les articles écrits par Antoine, alors que ce dernier croit que son père ne s’intéresse pas à son travail.

Un troisième pilier du roman est le couple homosexuel d’Antoine, son fonctionnement et les incartades via le sexe tarifié sur internet. Alex étant un peintre en vogue, Antoine fréquente un monde d’amateurs d’art riche et dépravé dans lequel il ne se sent pas à l’aise. Car si Antoine a réussi professionnellement, il n’a pas reçu de son père les clés lui permettant de se sentir à l’aise socialement.

Ron disparaît sans donner d’explication, laissant le père encore une fois désemparé. Alors Antoine accompagne son père aux sources de la famille, en Sardaigne, un voyage en demi-teinte, nostalgique, un peu triste, qui permet aux deux hommes de se rapprocher et au patriarche de mourir réconcilié.

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